Hochqualifiziert und transsexuell: Keine Chance auf einen normalen Job?

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Katharina ist eine transsexuelle Informatikerin. Im Netz informiert sie sich vor allem in Blogs über die Möglichkeit, sich in Thailand operieren zu lassen.

Region Rhein-Main – Weil Katharina als Junge geboren wurde, will kein Arbeitgeber die transsexuelle Offenbacherin einstellen. Dabei muss sie 16.000 Euro für ihre „körperliche Anpassung“ sparen. Deswegen arbeitet sie jetzt als Prostituierte, um irgendwann den Körper einer echten Frau zu haben. Von Christian Reinartz

Früher hieß Katharina mal Lukas. Und Lukas interessierte sich schon immer für Computer. Aber schon in der Pubertät wird ihr klar: „Ich will lieber eine echte Frau sein.“

Was ist Transsexualität?Transsexualität eines Menschen bedeutet, dass er körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht angehört, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts empfindet und danach strebt, als solcher anerkannt zu werden, oder den eigenen Körper dem anderen Geschlecht durch hormonelle und operative Behandlung anzugleichen. Laut der „Internationalen Klassifizierung von Krankheiten“ der Weltgesundheitsorganisation, ist Transsexualität eine Form der Geschlechtsidentitätsstörung (Quelle: Wikipedia).

Trotzdem macht sie ihr Abitur, eine Lehre zur Fachinformatikerin, besteht alles mit Auszeichnung. Mittlerweile hat sie Hormone gespritzt bekommen, die Brüste wachsen langsam und ihre Körper nimmt zarte, weibliche Formen an. „Ich habe mich so wohl gefühlt, langsam eine Frau zu werden“, sagt Katharina. „Aber kein Arbeitgeber wollte mir so mehr einen Job geben.“

Dank ihrer guten Noten hat Katharina es zwar in zahlreiche Bewerbungsgespräche geschafft. „Das Aussehen war dabei nie das Problem“, sagt Katharina. Vielmehr hätten die Firmenchefs ein Problem damit gehabt, dass sie auf dem Papier noch ein Mann ist. „Wie sieht denn das beim Kunden aus?“, hat sie mehr als einmal zu hören bekommen. Katharina versteift sich nicht nur auf ihren Informatikerberuf, bewirbt sich auch für andere Jobs. „Aber es war überall dasselbe.“

Dabei braucht Katharina dringend das Geld. Sie will endlich auch körperlich eine echte Frau werden. Die dazu nötigen Operationen sind vielfältig. Katharina möchte sich unbedingt in Thailand unters Messer legen. „Nur dort haben sie das nötig Wissen und die Erfahrung“, sagt Katharina. „Die machen das seit 50 Jahren.“ Knackpunkt dabei ist die Operationstechnik. Während in Deutschland nur der Penis nach innen gestülpt wird, wird in Thailand eine nahezu echtes weibliches Geschlechtsteil geformt. Dazu kommen dann noch eine Brustvergrößerung und eine Operation, um die Gesichtszüge noch weiblicher zu gestalten. 16.000 Euro braucht Katharina dafür. 16.000, die sie ohne Job nie zusammensparen kann. „Und wenn ich Hartz IV bekommen würde, müsste ich mein Erspartes sowieso wieder abgeben“, sagt Katharina.

Sie beschließt deshalb, sich einen Job zu suchen, bei dem sie mit ihrer Transsexualität Geld verdienen kann. Über eine Bekannte kommt sie in Kontakt mit einem Bordell. „Dort habe ich mich vor ein paar Monaten einfach mal vorgestellt“, erinnert sie sich. „Die wollten mich gleich haben.“ Seitdem arbeitet Katharina als Prostituierte für Männer, „die auf besondere Frauen stehen“, sagt sie.

Ein Job, der Katharina zwar schlaucht, „aber immer noch besser, als den ganzen Tag zuhause im Internet zu surfen.“

Trotzdem mache ihr die Arbeit als Prostituierte auch Freude. Doch einen Job als Informatikerin würde sie sofort annehmen. Katharina: „Dann wäre Schluss mit der Prostitution.“

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