Martina Schäfer genervt 

Hobby-Polizist verteilt "Strafzettel" in Hattersheim

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Schon wieder ein böswilliger Zettel am Auto: Martina Schäfer hat von den anonymen Mitteilungen die Nase voll und will den Unruhestifter zur Rede stellen.

Hattersheim – Zettel-Terror in der Zeilsheimer Straße in Hattersheim. Ein Unbekannter klebt grundlos kleine Zettel auf die Scheiben der dort geparkten Autos. Darauf steht: „Sie parken rechtswidrig und wurden angezeigt. Von Dirk Beutel

“ Dazu werden regelmäßig die Heckscheibenwischer an den Autos hochgeklappt. Vor allem bei den Bewohnern der Hausnummer eins sind die Nerven runter. So wie bei Martina Schäfer. Sie vermutet hinter den Belästigungen einen frustrierten Nachbarn und hat eine Belohnung für Hinweise auf den Unruhestifter ausgesetzt.

Hinterlistige Gemeinheit oder kindisches Verhalten? Martina Schäfer hat so etwas jedenfalls noch nicht erlebt. Seit Mitte Dezember wohnt sie zusammen mit ihrem Freund in der Zeilsheimer Straße 1. Eine etwa 200 Meter lange Anliegerstraße mitten in einem dicht besiedelten Wohngebiet. Aber schon bevor sie dort einzog, machte sie mit der kalten Stimmung in der Straße Bekanntschaft. „Ich wollte nur meinen Freund besuchen und entdeckte an meinem Auto zweimal einen Zettel mit der Nachricht, dass ich rechtswidrig geparkt hätte und angezeigt wurde.“ Keine leere Drohung. Tatsächlich kassierte sie am 25. und 27. November vergangenen Jahres jeweils einen Anhörungsbogen. Zweimal 30 Euro solle sie bezahlen.

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In dem Schreiben wird klar, dass die Verwarnung erst wirksam wird, wenn der Betroffene sich einverstanden erklärt und das Verwarnungsgeld innerhalb einer Woche überweist. Aber wer unwissend ist, zahlt: „Damals war ich bei meinen Eltern gemeldet, und sie haben das Geld überwiesen.“ Ärgerlich, Schäfer war schließlich Anliegerin.

Doch auch die anderen Nachbarn der Hausnummer eins plagen die Zettel-Attacken. „Das geht seit Jahren so“, sagt Andreas Trefkorn. „Der Gipfel ist, dass die Zettel sogar an die Scheibe geklebt werden“, sagt Giuseppe Scalzo, der Lebenspartner von Martina Schäfer, den es schon mehrfach erwischt hat. Auch Verena Heinz, sie wohnt seit fünf Jahren in der Nummer eins, kann davon ein Liedchen singen: „Meine Eltern hatten mich vom Flughafen abgeholt und anschließend in unserer Straße geparkt. Sie waren nur einen Abend da und haben auch einen Anhörungsbogen bekommen.“

Aufforderung: Fahrer sollen Auto dort parken, wo sie wohnen

Und es gibt noch eine Zettel-Variante: „Sehr geehrter Fahrzeughalter. Wir bitten Sie, Ihr Fahrzeug da abzustellen, wo sie wohnen. Vor allem, wenn das Fahrzeug tagelang nicht bewegt wird. Denn so können auch wir unsere Fahrzeuge wieder vor unseren Häusern parken.“ Schäfer: „Da ist man eine Woche krank und hat wieder so einen Zettel an der Scheibe.“ Im Hattersheimer Ordnungsamt will man von auffällig oft eingegangenen Anzeigen aus dieser Straße nichts wissen. Allerdings räume Werner Schaffhauser, Leiter des Ordnungsamtes ein, dass es sein könne, dass zumindest alle zwei Wochen eine Anzeige einginge.

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Martina Schäfer reicht es endgültig: „Auf Nachfragen in der Nachbarschaft will es keiner gewesen sein.“ Jetzt hat sie vom Zettel-Terror genug und hat eine Belohnung von 50 Euro ausgesetzt, für denjenigen, der den Unruhestifter entlarvt und gegenüber der Polizei eine Aussage macht.

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