Hier steigt die Miete um 100 Prozent

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In der Günthersburgallee 31 (gelbes Haus) wird renoviert. Deshalb sollen die Mieten drastisch erhöht werden.

Frankfurt – Seit 15 Jahren wohnt Herbert Budicek in der Günthersburgallee 31 im Frankfurter Nordend. Für 65 Quadratmeter zahlte er bislang gut 500 Euro Miete. Doch jetzt wird das Wohnhaus saniert. Dadurch soll die Miete auf knapp 1000 Euro steigen. Für viele Frankfurter unbezahlbar. Aber kein Einzelfall wie Mieterschutzvereine berichten. Von Norman Körtge

Nordend, Bornheim, Bockenheim und Sachsenhausen – das sind Frankfurts begehrte Wohnlagen in der Innenstadt. Hier lässt sich mit dem Vermieten von Wohnungen richtig Geld verdienen. Wohnungen und Gebäude werden aufwendig saniert, um anschließend deutlich höhere Mieten verlangen zu können. Oder die Mietwohnungen werden aufgekauft und in Eigentumswohnungen umgewandelt. Die Folge: Viele Frankfurter müssen ausziehen und sich eine neues, bezahlbares Zuhause suchen.

Die Politik beobachtet den Verdrängungsprozess mit Sorge: „Als Normalarbeitender kann man sich das ja oft gar nicht mehr leisten“, meint Elke Sautner, wohnungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Römer. Sanierung sei wichtig, aber die Miete muss bezahlbar bleiben. Vor allem muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

Nach Luxussanierung 215 Euro mehr zahlen

Genau diese vermisst oft Jens Giwitz vom Frankfurter Mieterschutzverein. Er kann von einem Fall berichten, bei dem nach einer energetischen Sanierung die monatliche Miete um 215 Euro steigen sollte. „So viel kann man ja gar nicht an Heizkosten sparen“, sagt Giwitz und spricht dann auch von „Luxussanierung“.

Die steht offensichtlich auch Herbert Budicek in der Günthersburgallee 31 bevor. Im Dezember bekam er das Schreiben von seinem Vermieter. Angekündigt sind unter anderem Parkettboden und ein neues Bad. Deshalb soll seine Miete um 100 Prozent steigen. Und wie ihm ergeht es auch seinen Nachbarn, die teilweise schon seit Jahrzehnten in dem Haus wohnen und nun wohl ausziehen müssen, weil sie sich die Miete dann nicht leisten können. Budicek selbst wird sich nun dagegen wehren.

Mieter-Schützer Jens Giwitz rät Betroffenen: Auf keinen Fall etwas sofort unterschreiben. Sondern erst einmal alle Modalitäten und Forderungen in aller Ruhe prüfen und sich gegebenenfalls juristisch beraten lassen.

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