Roger Stenger ist sauer

Heusenstamm: Grundstücksverkauf zu lasten von Parkplätzen

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Ohne seine Mietgarage weiß Roger Stenger nicht, wohin mit seinem Motorrad. Einfach auf dei Straße stellen kommt jedenfalls nicht in Frage.

Rembrücken - Schon jetzt sorgt die Parkplatzmisere entlang der Friedhofstraße im Heusenstammer Stadtteil Rembrücken für Kreativität bei Autobesitzern, die ihr Fahrzeug abstellen wollen. Roger Stenger ist sauer, weil der Verkauf eines Grundstücks die Situation noch verschärft. Von Dirk Beutel

Roger Stenger kann nur noch mit dem Kopf schütteln. Wer in Rembrücken wohnt, braucht zwangsläufig ein Auto. Kein Wunder, dass es an manchen Ecken zu Parkplatzengpässen kommt. Und jetzt verkauft die Stadt auch noch ein rund 2300 Quadratmeter großes Grundstück an der Friedhofstraße, auf dem 21 Garagen stehen. „Kaum zu glauben. Jetzt müssen die Mieter ihre Autos an die Straße stellen. Jetzt wird es hier noch schlimmer werden, einen Parkplatz zu finden“, sagt Anwohner Roger Stenger. Auch für ihn, denn er stellt in seiner Garage ein Motorrad unter, für das er im Winter dann keinen geeigneten Stellplatz mehr hätte.

Seine Kritik am Grundstücksverkauf: Den Garagenmietern wurde nicht anständig gekündigt. Dazu kommt: „Seit Anfang 2001 wurden Mieter bei Reparaturanfragen vertröstet, Briefe und Mails mit nebulösen Erklärungen und Andeutungen auf die Endlos-Bank verschoben“, sagt Stenger.

Und die Leute in Rembrücken brauchen nun einmal ihr Auto. „Wie soll eine Familie, die hier wohnt, sonst Beruf, Einkauf, ärztliche Versorgung und Freundeskreis unter einen Hut bekommen“, fragt Stenger. Parkplätze, oder gar Garagen in erforderlichem Ausmaß sind aus seiner Sicht Fehlanzeige. Für die Berufstätigen und jungen Familien in Rembrücken werde nichts getan, im Gegenteil, sagt Stenger. Die ohnehin schon schlechten Bedingungen werden durch den Wegfall der 21 Garagen zusätzlich verschärft werden, fürchtet er.

Firma stellt neue Garagen zur Verfügung

Die Stadt Heusenstamm kann die Aufregung nicht verstehen. Dass es in einem Wohngebiet zu Parkplatzengpässen komme, sei nichts Ungewöhnliches. Jedoch sei der Grundstücksverkauf nötig gewesen, um ein vor Ort ansässiges Unternehmen, die Firma Bauer Music, zu halten. Denn dort wolle man expandieren. Ein neues Büro- und Ausstellungsgebäude soll gebaut werden. Deshalb habe die Stadt auch um Verständnis bei den Mietern geworben. Telefonisch. Allerdings wurde eingeräumt, dass nicht jeder erreicht wurde. Trotzdem nahm die Mehrheit der Mieter die neue Situation gelassen auf. Außerdem wolle der neue Grundstücksbesitzer auch Garagen für die Anwohner anbieten.

Das bestätigt auf EXTRA-TIPP-Nachfrage Dieter Schuster von der Firma Bauer Music: „Wir werden neben einem neuen Ausstellungsgebäude auch neue Garagen zur Vermietung hinstellen.“ Einige der bisherigen Mieter hätten sich bereits um eine Garage beworben. Allerdings sollen es weniger als die bisherigen 21 Garagen werden. Trotzdem werde nach den bisherigen Erkenntnissen der Bedarf gedeckt werden. Wann mit dem Neubau begonnen werde, sei allerdings noch nicht abzusehen. Schuster versprach, dass die Garagen sogar schon während der Bauphase aufgestellt werden, um die Übergangszeit möglichst gering zu halten.

Die Alternative käme Roger Stenger entgegen. Denn die Stengers haben zwar viel eigenes Geld in ihre Mietwohnung gesteckt, aber wenn es nicht möglich sei, eine neue Garage in Rembrücken zu finden, wären sie sogar bereit gewesen, umzuziehen.

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