Mit Herz gegen die Einsamkeit

Weihnachten im Kinderheim: Geschenke sind nur Nebensache

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Viele Heimkinder sind traurig, wenn sie Weihnachten nicht mit ihrer Familie feiern können. Besuch von den Eltern wiegt da mehr als jedes Geschenk.

Region Rhein-Main – An Weihnachten steht das Fest mit der Familie im Mittelpunkt. Nicht so für Kinder, die in Heimen wohnen. Die Mitarbeiter versuchen, traurige Stimmungen mit viel Wärme und Nähe aufzufangen. Von Franziska Jäger

So kurz vor dem Weihnachtsfest füllen die jungen Bewohner der Kinderhäuser auf der Offenbacher Rosenhöhe emsig ihre Wunschzettel. Fußballschuhe, Bettwäsche und Lego kommen in die engere Auswahl. In den Wohnzimmern warten bereits die Tannenbäume auf ihren Mantel aus Licht und Lametta.

Es soll ein Weihnachtsfest werden, wie es überall in Familien gefeiert wird – mit einem entscheidenden Unterschied. Die Heimkinder werden ihre Eltern nur kurz oder gar nicht sehen.

Manche können mit ihren Familien feiern

„Das Weihnachtsfest ist für unsere Kinder hochemotional. Es ist tragisch für die Familien, wenn sie nicht zusammen feiern können“, sagt Nicole Hoff. Die Pädagogin ist für die vier Kinderhäuser des Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum in Offenbach zuständig. Bis zu zehn Jugendliche zwischen sieben und 18 Jahren leben zusammen in einem Haus. Jeder hat sein eigenes Zimmer. Manche verbringen Weihnachten bei ihren Familien. Die anderen feiern gemeinsam im Heim.

Für Hoff ist der Dienst an Heiligabend der schönste im ganzen Jahr. Sie und ihre Kollegen versuchen dann, mit viel Herzlichkeit und Nähe der traurigen Stimmung entgegenzuwirken, die sich leise bei den Kindern einschleicht. Vor allem an den Tagen vor dem Fest fühlen sich viele einsam. „An den Feiertagen selbst ist aber so viel los, dass sie gut abgelenkt werden“, sagt Hoff.

Eltern dankbar für jede Unterstützung

In den vergangenen Jahren hat sie stets die Eltern für den Vormittag des 24. Dezembers eingeladen. Die, die es sich leisten konnten, brachten Geschenke mit. Die Arbeit des Hilfezentrums sehen sie nicht als Konkurrenz – sie sind dankbar für die Unterstützung.

Den Rest des Tages verbringen die Kinder wie alle anderen Familien auch: Mit Pippi Langstrumpf im Fernsehen, dem Besuch der Christmette und einem großen Abendessen. Reihum werden dann die Geschenke verteilt, zusammen mit aufmunternden Worten für jedes Kind. Die Bettzeit wird ausnahmsweise verschoben, und die Kinder dürfen zu mehreren in einem Zimmer schlafen.

Geschenkspenden nur zweitrangig

„Der familiäre Rahmen ist wichtig“, sagt auch Silvia Schuma, Geschäftsführerin der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Bad Homburg. In diesem Jahr spielt dort die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge eine große Rolle. Und die beschäftigten noch ganz andere Probleme als einsame Weihnachten, sagt Schuma. Die Mitarbeiter sind bemüht, den Kulturschock aufzufangen und den Jugendlichen die Eingewöhnung zu erleichtern. Am Weihnachtsfest nehmen daher alle teil, auch Muslime. In der Verwaltung liegen schon die Geschenke bereit, die Sponsoren mithilfe der Wunschzettel zusammengestellt haben. Geschenkspenden sollen nicht überhandnehmen, darauf legt Hoff im Theresienheim Wert. „Den Kindern kommt es auch gar nicht so sehr auf die Geschenke an. Ihnen ist vor allem wichtig, dass ihre Eltern sie besuchen“, sagt sie. Nicht selten liest sie auf einem Wunschzettel: „Ich wünsche mir, dass es meiner Familie gut geht.“

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