Im Heim statt zu Hause

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Die Jugendamt muss entscheiden, ob gefährdete Kinder ins Heim oder zu Pflegeeltern kommen.

Offenbach – Kinder, die in der eigenen Familie Gewalt erfahren, werden im schlimmsten Fall aus der Familie geholt. Liebevolle Pflegeeltern sind für sie ein möglicher Ausweg. In ganz Hessen vermittelt das Offenbacher Jugendamt laut Statistik die wenigsten Kinder in ein solches Zuhause. Von Angelika Pöppel

„Es kann auch eine Grundsatzhaltung sein, dass Kinder in Heime gehören“, sagt Ines Kurek-Bender vomPflege-und Adoptivfamilien Landesverband Hessen (PFAD). Anders könne sie sich die wenigen Vermittlungen in Offenbach nicht erklären: Die Stadt ist das Schlusslicht in einer Studie des Statistischen Bundesamtes. Mit 20 Prozent liegt Offenbach bei der Vermittlung von Kindern auf Platz 32 unter Hessens Städten und Landkreisen. In Hessen lag die Vermittlungs-Quote 2010 bei 40 Prozent, bundesweit sogar bei 49 Prozent.

"Heim ist oft bessere Lösung"

„Unser erstes Ziel ist es nicht, Kinder in Pflegefamilien zu vermitteln“, sagt Hermann Dorenburg vom Offenbacher Jugendamt. Denn grundsätzlich könne man nicht sagen, dass eine Pflegefamilie immer das Beste für ein Kind sei. „Obwohl die Unterbringung von sechs Monaten im Heim teurer ist als  zwei Jahre in einer Ersatz-Familie, ist das Heim oft die vernünftigere Lösung“, sagt Dorenburg. Denn das langfristige Ziel sei es, das Kind in die Herkunftsfamilie zurückzuführen – und das sei auch die gesetzliche Vorgabe. Dorenburg: „Die Hilfe, die das Jugendamt leistet, steht in erster Linie den Eltern zu, nicht den Kindern.“ Wenn Kinder erstmal bei Pflegeeltern leben, erschwert das die Rückführung zu den leiblichen Eltern. „Nur wenn es absehbar ist, dass Kinder nicht mehr zurück zu den Eltern können, ist eine Pflegefamilie sinnvoll“, sagt Dorenburg. Kurek-Bender hält dagegen: „Oft leben Kinder so lange im Heim bis sie extrem verhaltensauffällig und nicht mehr vermittelbar sind.“ Umso früher Kinder in eine intakte Familie kommen, umso besser sei das für ihre Entwicklung.

Offenbach teilt sich den letzten Platz mit Frankfurt

Offenbach teilt sich in der Statistik mit Frankfurt den letzten Platz. Doch das Frankfurter Jugendamt sieht dafür andere Gründe: „Pflegekindern steht ein eigenes Zimmer zu – die Wohnraumnot und die teuren Mieten machen es so Pflegefamilien in Frankfurt schwer“, sagt Christiane Steinwedel vom Jugendamt. Das Amt vermittle viele Kinder in das Umland. Doch nach zwei Jahren werden die Familien vom Jugendamt am entsprechenden Wohnort übernommen und fallen so aus der Frankfurter Vermittlungs-Statistik. „Rund ein Drittel fällt nach zwei Jahren nicht mehr unter unsere Obhut, deshalb bildet die Statistik keine Steigerung ab“, erklärt Holstein.

Der Kreis Offenbach vermittelt erheblich mehr Kinder in Pflegefamilien. Laut Statistik liegt der Landkreis auf Platz 14. „Die Zahlen zwischen Kreis und Stadt Offenbach sind nicht vergleichbar“, sagt Beate Holstein vom Jugendamt. Es werde im Kreis zwar immer wieder um Pflegeeltern geworben, da es mehr Bedarf gebe. Doch Eltern müssen sich freiwillig bereit erklären. „Werbeaktionen sind wichtig, um auf das Thema aufmerksam zu machen“, glaubt Kurek-Bender: „Eltern, die Kinder aufnehmen wollen, gibt es genug.“

 

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