Der EXTRA TIPP deckt auf

Limo-Pilz bei Hassia: Jetzt forscht das Amt nach

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Region Rhein-Main – Kunden haben schon Anfang der vergangenen Woche verunreinigte Limonade bei der Firma Hassia in Bad Vilbel reklamiert. Die Firma bestätigt, es habe eine Verunreinigung mit Hefepilzen gegeben. Das sei aber ungefährlich. Von Christian Reinartz

Es ist ein anonymer Anruf in der Redaktion. Der Mann am Ende der Leitung behauptet, eine Charge der Orangenlimonade „Bizzl Orange Kiss“ der Firma Hassia sei mit Hefepilzen verunreinigt. Er selbst wisse das von einem Bekannten, der in einem Getränkemarkt arbeitet. Seinen Namen will der Anrufer nicht verraten. Aber das Mindesthaltbarkeitsdatum der Charge: März 2015. Der EXTRA TIPP forscht nach und ruft als Kunde getarnt direkt bei Hassia an. Als man dort hört, das „mit einer Limo was nicht in Ordnung ist“, wird sofort weiterverbunden. Die neue Gesprächpartnerin ist sehr versiert und scheint über die Lage bestens informiert. Sie bestätigt: „Wir haben Ende der vergangenen Woche eine Störung in der Produktion gehabt.“ So seien Hefepilze in die Limonade gekommen. Auf Nachfrage hin, ob der Genuss gefährlich sei, sagt sie: „Dran sterben kann man nicht. Da bekommen Sie allerhöchstens ein bisschen Durchfall.“ Schon mehrere Kunden hätten sich gemeldet und es sei nie etwas passiert

Rückrufaktion fehlgeschlagen

Trotzdem ist das zuständige Amt für Lebensmittelüberwachung des Wetteraufkreises bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe offenbar nicht von Hassia informiert worden. Leiterin Dr. Veronika Ibrahim  Anfang der Woche: „Uns wurde so etwas bisher nicht gemeldet.“ Auch bis zum vergangenen Freitagmorgen wusste die stellvertretenden Leiterin noch nichts von einem solchen Vorfall. Nun wolle sie der Sache aber nachgehen.

Stattdessen startete der Konzern offenbar eine Rückrufaktion, bei der alle Flaschen aus dem Handel komplett zurückgeholt werden, ohne das die komplette Öffentlichkeit umfassend informiert wurde. „Wir haben unsere Außendienstmitarbeiter benachrichtigt. Die sollten die Ware aus dem Handel zurückholen“, heißt es bei der Service-Hotline. Seit Freitag vor einer Woche wisse man von dem Vorfall. Dass die Rückrufaktion offenbar nicht funktioniert hat, muss man im Unternehmen aber spätestens seit dem Anruf des EXTRA TIPPs Anfang der Woche gewusst haben.

Lebensmittelüberwachung muss informiert werden

Laut Dr. Tobias Lackner, dem Leiter des Dezernats Verbraucherschutz im zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt, müsse immer und unverzüglich die Lebensmittelüberwachung des Kreises informiert werden, „sobald es auch nur einen Grund zur Annahme gibt, dass etwas nicht in Ordnung ist .“

Zum anderen habe der Hersteller, wenn auch nur eine Flasche beim Verbraucher gelandet ist, die Öffentlichkeit zu informieren. Lackner: „Bei Herstellern dieser Größe muss der Rückruf schon per Pressemitteilung bekannt gegeben werden.“

Zwar gab es am Freitag in einer regionalen Tageszeitung einen kurzen Hinweis auf die Verunreinigung, die „zu keiner Zeit gesundheitsschädlich“ gewesen sei. Im Pressebereich der Firma Hassia und auf der facebook-Seite fand sich jedoch bis Redaktionsschluss keine entsprechende Mitteilung. Auf Nachfrage bestätigt Hassia-Pressesprecherin Sibylle Trautmann die Verunreinigung. „Bei einigen wenigen Flaschen einer definierten Charge unserer Limonade bizzl Orange kiss haben Hefen aus dem Limonadengrundstoff einen Gärungsprozess ausgelöst.“ Dieser Gärungsprozess habe das Produkt trüb gemacht und es sei ein leicht säuerlicher, hefiger Geschmack entstanden. Eine Meldung über den Vorfall an das zuständige Amt sei nicht gemacht worden, weil die Verunreinigung nach Auffassung von Hassia nicht gesundheitsschädlich sei. Zuerst habe man außerdem eine Laboruntersuchung abgewartet, sagt Trautmann. Insgesamt seien bisher 23 Flaschen reklamiert worden. Davon 21 in der Vorwoche.

„Über unser lückenloses Chargenrückverfolgungssystem haben wir nachvollzogen, welche Händler die Ware bezogen haben. Vorsorglich haben wir die noch im Handel vorhandene betroffene Ware aus dem Markt genommen.“ Wie viele Flaschen von den Hefepilzen betroffen waren, kann man bei Hassia jedoch nicht sagen.

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