Hautjucken und Atemnot: „Hört auf, das Wasser zu verchloren“

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Natascha Freier und Tochter Lara leiden unter dem Chlor im Eckenheimer Leitungswasser.

Frankfurt – Die Angst kommt aus dem Wasserhahn. Angst vor Hautreizungen, Angst vor Asthmaanfällen. Natascha Freier ist sicher, dass das am Chlor im Eckenheimer Leitungswasser liegt. Sie fordert: „Hört endlich auf, das Wasser zu verchloren.“ Von Christian Reinartz 

Im Juni hat Natascha Freier zum ersten Mal bemerkt, dass mit dem Leitungswasser etwas nicht stimmt. „Als ich den Hahn aufgedreht habe, hat es im badezimmer wie im Schwimmbad gestunken“, erinnert sie sich. Sofort sei ihr die Luft weggeblieben. „Ich musste sofort mein Asthmaspray nehmen, weil ich nicht mehr atmen konnte.“ Dazu kamen in den folgenden Monaten Hautjucken und Rötungen. Der Juckreiz ist so schlimm, dass sich ihre sechsjährige Tochter Lara nach einem Vollbad sogar blutig kratzt.

Natascha Freier begann, die Sache zu beobachten. Schnell wurde aus dem Verdacht Gewissheit. „Alle vier bis sechs Wochen ist das Wasser extrem verchlort“, sagt Freier: „Dann sind unsere Beschwerden am schlimmsten.“ Und wirklich: Dreht Natscha Freier ihren Badewannenhahn auf, riecht es sofort nach Schwimmbad. Freier: „Dabei ist das im Moment nur sehr schwach.“

Auch Nachbarn riechen das Chlor im Wasser

Auch in der Eckenheimer Nachbarschaft hat man das Chlor im Leitungswasser bemerkt. Eine Nachbarin: „Das ist immer mal wieder so. Aber gesundheitliche Probleme habe ich dadurch nicht.“ Im benachbarten Blumenladen Rosenberg ist der Chlorgehalt schon länger aufgefallen. Mitarbeiterin Sema Andirinli: „Es riecht wirklich schon länger nach Chlor. Aber den Blumen hat es nicht geschadet.“

Bei der Hessenwasser, dem Lieferanten für das Wasser in den nördlichen Stadtteilen Frankfurts, bestätigt Pressesprecher Hubert Schreiber die Beobachtung der Freiers: „Etwa einmal im Monat wird das Leitungswasser für sechs bis acht Stunden mit Chlordioxid desinfiziert.“ Das geschehe aber bei einem weitere Zulieferer. Das Chlordioxid könne anders als normales Chlor, das im Süden Frankfurts eingesetzt wird, zu besonderen Geruchsbelästigungen führen, so Schreiber. Nötig sei die Chlorung, um die Dosieranlagen für einen etwaigen Ernstfall in Betrieb zu halten. „Uns ist klar, dass das ein unangenehme und belästigende Situation ist.“ Aber für die meisten Menschen sei die Chlorung nicht gesundheitsschädlich. Auch habe es noch keine Beschwerden über solche Fälle gegeben, versichert Schreiber.

Keine Lösung für die Familie in Sicht

Für Susanne Harpel vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Uni Gießen sind die Symptome der Freiers indes keine Seltenheit: „Empfindliche Menschen können auch schon auf den zugelassenen Chlorgehalt im Leitungswasser reagieren“, sagt sie. Eine echte Gefahr gehe aber nicht davon aus. Natascha Freier und ihrer Tochter hilft das nicht. Sie müssen weiterhin einmal im Monat die Zwangschlorung ertragen.

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