Hattersheim strickt und kämpft

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Heike Bülter und Eberhard Roth vom Stadtteilbüro stricken für die Aktion am 16. März. Sie hoffen auf viele Unterstützer, die ebenfalls mitstricken.

Hattersheim/Hofheim – Seit zwölf Jahren ist das Gebiet Südring in Hattersheim beim Projekt „Soziale Stadt“ dabei. Doch nächstes Jahr soll die Förderung enden. Dagegen wehrt sich die Stadt Hattersheim jetzt. Von Julia Renner

Früher hatte die Siedlung, wie das Gebiet um den Südring genannt wird, wenig zu bieten. Es gab keine Treffpunkte, keine Ansprechpartner, das Image war schlecht. „Es war kein sozialer Brennpunkt“, sagt Heike Bülter, Leiterin des Stadtteilbüros. Aber in der Siedlung treffen viele Ältere auf viele Jüngere, oft mit Migrationshintergrund und angewiesen auf Hartz IV. Oft gab es Konflikte. Das hat sich grundlegend geändert.

Wer Wolle oder weitere Infos braucht, kann sich an das Stadtteilbüro wenden, Pregelstraße 1a, unter (06190) 935818. Infos auch auf der Internetseite der Stadt Hattersheim.

Seit 1999 ist die Siedlung im Bund- und Länder-Förderprogramm „Soziale Stadt“. 5,3 Millionen Euro sind seither in Spielplätze, Jugendtreff, Südringtreff und eben das Stadtteilbüro geflossen. Allein die Stadt Hattersheim hat davon 1,9 Millionen Euro übernommen. Doch die baulichen Veränderungen sind nur ein Teil des Programms. Musikalische, sportliche und kulturelle Angebote, Feste, Beratungen, Schülernachhilfe sind der wichtigste Punkt. Und den sehen Heike Bülter und Eberhard Roth, ihr Kollege aus dem Stadtteilbüro, gefährdet, sollte Hattersheim nächstes Jahr tatsächlich aus dem Programm ausgeschlossen werden. Bülter hat Angst, dass die Siedlung dann wieder in alte Zustände zurückfällt.
Deshalb wird jetzt gestrickt. Ein 40 Zentimeter breiter und viele Meter langer Schal soll entstehen, der am Freitag, 16. März, am Südringtreff aufgehängt werden soll. „Wir versprechen und davon Öffentlichkeit“, sagt Eberhard Roth. „Die Leute sollen zuhören.“ Gemeint sind damit vor allem die Landespolitiker aus dem Main-Taunus-Kreis. Alle anderen sind jetzt zum Mitmachen aufgefordert, damit der Schal lang und der Strickmob erfolgreich wird.

„Soziale Stadt muss wieder hochgefahren werden“

Auch die Stadt Hofheim ist im Förderprogramm „Soziale Stadt“ dabei. Und das schon seit Ende 2008. Seitdem hat sich im Norden der Kreisstadt einiges getan: Ein Stadtteiltreff ist entstanden, ein Kinder- und Familienhaus wurde gebaut, an einem Spielplatz wird derzeit gearbeitet und der Bolzplatz am Finanzamt wurde saniert. Doch nicht nur bauliche Veränderungen hat es im Rahmen des Programms gegeben.

So gibt es ein Rap-Mobil, mit dem Sozialarbeiter gezielt junge Menschen ansprechen, es gibt Beratungen, Gruppentreffs und Stadtspaziergänge. Investiert wurden seit Ende 2008 etwa 1,7 Millionen Euro in die Maßnahmen, sagt Projektleiter Jan Thielmann. Gut eine Million Euro steuerten Bund und Land Hessen bei, mehr als 700.000 Euro übernahm die Stadt Hofheim selbst.

Thielmann ist froh, dass Hofheim-Nord in das Förderprogramm aufgenommen wurde. „Sonst hätte es Probleme im Viertel geben können“, sagt er. Denn es mehrten sich die Anzeichen, dass vor allem ältere Menschen, mehr Migranten und viele, die von Leistungen wie Hartz IV abhängig sind, in den Stadtteil zogen. „Jetzt ist Hofheim auf einem guten Weg, weil rechtzeitig gegengesteuert wurde“, sagt er.

In kleinen Schritten soll es nun weitergehen, viele Projekte sind derzeit schon wieder in der Entstehung. Deshalb ist auch Jan Thielmann nicht davon begeistert, dass die Mittel für das Förderprogramm sogar gekürzt wurden. „Das muss wieder hochgefahren werden, wir brauchen die „Soziale Stadt“, um solche Maßnahmen umsetzen zu können.“

Heike Bülter und Eberhard Roth hoffen derweil, dass sich noch viele Menschen – nicht nur aus der Siedlung – am Strickmob beteiligen.

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