Nach Großrazzia gegen Islamisten

So greifen Salafisten unseren Staat an

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Ein Polizist drückt einen Salafisten zu Boden, der ihn angegriffen hatte, nachdem er durch Mohammed-Karikaturen provoziert wurde.

Region Rhein-Main – Die deutschen Sicherheitsbehörden haben erneut zum Schlag gegen die salafistische Szene ausgeholt. Die Polizei machte in Hessen und Nordrhein-Westfalen Razzien gegen Salafisten-Vereine, wie das Bundesinnenministerium in Berlin mitteilte. Im Fokus stand die Frankfurter Vereinigung "Dawa FFM".

Ressortchef Hans-Peter Friedrich (CSU) verbot die Vereinigungen „DawaFFM“ und „Islamische Audios“ - ebenso eine Teilorganisation der bereits 2012 verbotenen Gruppierung "Millatu Ibrahim". Betroffen von den Durchsuchungen waren 20 Personen. Beamte beschlagnahmten Vereinsvermögen und stellten Unterlagen sicher.

Der Salafismus ist eine religiöse und politische Bewegung des Islam. Seine Anhänger orientieren sich an einem idealisierten Bild der Frühzeit des Islams, sie lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine islamische Ordnung mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform. In Deutschland gibt es nach Angaben der Sicherheitsbehörden inzwischen rund 4500 Salafisten, 2011 waren es noch 3800.

Verfassungsschützer beobachten die Szene seit längerem mit Sorge: Teile der Bewegung stehen im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen.

Der EXTRA TIPP gibt Antworten auf drängende Fragen. Von Axel Grysczyk

1. Wie gehen die Salafisten vor?

Sie sprechen die Sprache der Jugend. Hassprediger Pierre Vogel geht auf Jugendliche zu, spricht sie an, lobt „Ey, cooles Hemd“, knüpft so Kontakte. Labile Jugendliche sind seine Opfer. Dann beginnt die Gehirnwäsche. Die religiöse Uhr soll zurückgedreht werden in die Zeit von Mohammed. Der CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi warnt: „Das gelingt so einfach, weil vielen der Jugendlichen religiöse oder auch generelle Werte fehlen wie Fleiß, Heimatliebe oder Zusammenhalt. Daher sind manche Jugendliche in ihrem Charakter weniger gefestigt.“

2. Salafisten bei uns sind doch friedlich, oder?

Die Religionsexperten sprechen in diesem Fall von „Takkiye“. Man dürfe täuschen, wenn es im Sinne der Religion ist. Ziel der Salafisten bleibt: Ein undemokratischer Gottesstaat.

3 . Was sind die Folgen aus den Salafisten-Aktionen?

Lesen Sie mehr über Landtagsabgeordenten Ismail Tipi:

"Sarrazin hat im Kern Recht"

"Pierre Vogel gefährdet unsere Demokratie"

"Auftritt in Frankfurt von Vogel ist eine Provokation"

Die Radikalisierung nimmt zu. Pierre Vogel ruft im Internet und bei seinen Reden dazu auf, 100.000 neue Dawa-Zentren (Zellen) zu gründen. Daskann ein beliebiger Treffpunkt sein, zum Beispiel das heimische Jugendzimmer. Jugendliche sollen die Nachbarskinder für die Ideen der Salafisten begeistern, ihre Schriften verteilen, für ihre Ideen werben und vor allem im Internet Hassprediger unterstützen und Kritik durch Kommentare niedermachen. Sicherheitsbehörden warnen davor, dass solche Zellenstrukturen kaum überwachbar sind und die Basis für Terrorismus darstellen. Die Folge: Am Frankfurter Flughafen tötete im März 2011 Arid Uka aus Sossenheim zwei US-Soldaten, da er sich – wohl auch durch den Austausch mit anderen Zellen – dermaßen radikalisiert hatte, dass er sich rächen wollte. Er hatte zuvor eine Vergewaltigung einer Muslimin durch einen US-Soldaten im Internet gesehen.

4. Warum wird jetzt überall der Koran verteilt?

Experten sehen drei Gründe: 1. Provozieren. 2. Symphatie in der eigenen Anhängerschaft erhöhen. 3. Am wichtigsten aber, die normalen, nicht-radikalen Muslime für ihre Salafisten-Sache gewinnen. Sollte aus Unachtsamkeit mal ein Koran geschändet oder verbrannt werden, könnten sich auch nicht fundamentale Muslime angegriffen fühlen und zu den Salafisten strömen. Dann werden aus ein hundert Anhängern Tausende oder Zehntausende.

5. Ein Gottesstaat in Deutschland zu errichten ist absurd. Man kann doch nicht einen Rechtsstaat abschaffen.

Doch. In jeder deutschen Großstadt gibt es bereits Scharia-Richter. Rechtsverstöße werden unter Fundamentalmuslimen ohne deutsche Gerichte geregelt. Meist wird zur Wiedergutmachung ein sogenanntes Blutgeld bezahlt. Die mächtigeren Familien dominieren dabei die kleineren. Die Leidtragenden sind Kinder und vor allem die Frauen. Der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi zieht in Erwägung, eine Verfassungsbeschwerde vorzubereiten, weil das Scharia-Recht in Deutschland immer häufiger Anwendung findet. Nach der Scharia ist der Koran das einzige Gesetz. Die Scharia- oder Friedensrichter argumentieren: Deutsche Gerichte würden ewig brauchen, und Recht bekäme man auch nicht.

6. Welche neuen Gefahren lauern?

Weibliche Hassprediger! Sie unterrichten in fundamentalen Koranschulen. Auf die Kleinsten üben sie Druck aus. Beispielsweise fordern sie von jungen Mädchen: „Wenn Du Dich nicht komplett verhüllst, werden Deine Eltern in der Hölle verbrennen.“

7. Was tun?

Eltern müssen aufmerksam sein. Immer wieder aufklären. Und wahrhaftige Muslime sollten salafistisches Gedankengut den Behörden melden.

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