Rettung vor der Notunterkunft

Hartz-IV-Albtraum: Schwanger und kein Zuhause

Melanie Schubert hält ihren Mutterpass in der Hand. Ellen Vaudlet hat der schwangeren 18-Jährigen zu einer Wohnung in Offenbach verholfen. Foto: nkö

Offenbach – Gerade 18 Jahre alt und ungewollt schwanger. Als wäre das nicht schon eine große Herausforderung, muss sich Melanie Schubert (Name von der Redaktion geändert) alleine durchschlagen. Bis die Hartz-IV-Helferin Ellen Vaudlet sie unter ihre Fittiche nahm. Von Norman Körtge

„Glückspilz“ steht auf dem Schlüsselanhänger aus Filz, den Melanie Schubert aus ihrer Handtasche zieht. Die Maklerin, die ihr die 60 Quadratmeter Wohnung in der Offenbacher Karlstraße vermittelte, hat ihn ihr geschenkt. Ein Glückspilz ist die schwangere 18-Jährige aber vor allem deshalb, weil sie Ellen Vaudlet hatte. Ohne die tatkräftige Unterstützung der ehrenamtlichen Hartz-IV-Expertin wäre Schubert wohl immer noch ohne festen Wohnsitz. „Es ist unfassbar, wie dieMainarbeit mit ihr umgegangen ist“, berichtet Vaudlet. Sie ist es, die wieder einmal (der EXTRA TIPP berichtete mehrfach) die Abwärtsspirale eines Menschen gestoppt und eine Zukunftsperspektive gegeben hat.

Melanie Schubert stammt aus einem gewalttätigen Elternhaus. Das Jugendamt muss einschreiten. Zwischenzeitlich lebt sie bei ihrer Großmutter. Gerade so schafft sie den Hauptschulabschluss. Es folgen Praktika, aber kein Ausbildungsplatz. Im vergangenen Jahr verliebt sie sich in Catalin – ein junger, rumänischer Saisonarbeiter. Obwohl sie die Pille nimmt, wird sie schwanger. Nach dem ersten Schock, steht für beide fest: „Wir wollen das Kind“, sagt die 18-Jährige. Das es nicht einfach wird, ist ihr klar, zumal Catalin zurzeit ständig auf Jobsuche ist. Mit seinem letzten Job in Hanau verliert er auch die gemeinsam genutzte Unterkunft: Einen Wohnwagen.

Leben in der Notunterkunft

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Geschockt und hilflos fühlt sich Schubert allerdings, als ihr bewusst wird, dass sie mit ihrem ungeborenen Kind praktisch auf der Straße steht, keine Bleibe hat. Und sie ist geschockt über den Zustand einer ihr zugewiesen Notunterkunft in einem Offenbacher Hotel. „Im Bad waren Fäkalien verschmiert, im Flur saß einer, der sich in den Unterarm ritzte“, erzählt sie. „Ich habe keinen Luxus erwartet, aber eine saubere Unterkunft“, sagt sie. Sie leiht sich Geld von Freunden, verkauft ihr Handy, um ein reguläres Hotelzimmer zu bezahlen.

„Es hat an Beratung gefehlt. Einen jungen Menschen in dieser Situation darf man doch nicht so hängen lassen“, sagt Vaudlet. Die Sparpolitik werde auf dem Rücken der Wehrlosen ausgetragen, meint sie. „Ab wie vielen Einzelfällen ist ein Einzelfall kein Einzelfall mehr?“, fragt sie. Vaudlet jedenfalls half Schubert den Maklerschein zu beantragen, ging mit ihr zu Wohnungsbesichtigungen und schaffte es schließlich innerhalb kurzer Zeit, ihre eine Wohnung zu beschaffen. Die Basis, um endlich im Leben Fuß fassen zu können.

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