Hartz-IV-Beraterin Ellen Vaudlet greift ein

14 Jahre alter Schüler soll eingegliedert werden

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Ellen Vaudlet kennt sich in Sachen Hartz-IV-Gesetzgebung bestens aus.

Dietzenbach/Langen –  Beraterin Ellen Vaudlet hat in Sachen Hartz IV schon so einiges erlebt. Aber das ein 14-jähriger Schüler eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben muss, war dann doch Neuland für sie. Von Norman Körtge

Ellen Vaudlet hat in Sachen Hartz IV schon so einiges erlebt. Kein Wunder. Die Offenbacherin berät seit Jahren ehrenamtlich Bezieher von Arbeitslosengeld II, kümmert sich darum, dass ihre Rechte gewahrt werden und tritt auch schon einmal dem ein oder anderen Behörden-Mitarbeiter auf die Füße.

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Aber was Vaudlet nun auf den Schreibtisch bekam, hat sie so noch nicht erlebt. Sascha Schneider (Name von der Redaktion geändert) aus Langen musste zusammen mit seiner Mutter eine sogenannte Eingliederungsvereinbarung unterschreiben, in dem er verpflichtet wird unter anderem Bewerbungsmappen einem Jobcoach vorzulegen. Macht er das nicht fristgerecht, werden seine Leistungen gekürzt. Gezahlt werden dann nur noch Leistungen für Unterkunft und Heizung. Der Regelbedarf beträgt null Euro.

ProArbeit entschuldigt sich

Harte Sanktionen, wenn ein erwerbsfähiger Hartz-IV-Empfänger seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Aber bei Sascha Schneider handelt es sich um einen 14-Jährigen, der noch zur Schule geht, im Sommer voraussichtlich seinen Hauptschulabschluss macht und sogar eine Lehrstelle in Aussicht hat. „Das darf absolut nicht sein. Ein 14-Jähriger ist keine erwerbsfähige Person. Das ist ein Skandal“, meint Vaudlet.

Da sie auf ihre E-Mail an die ProArbeit in Dietzenbach keine Antwort erhielt, schaltetete sie den EXTRA TIPP ein. Die Antwort kam schnell. „Wir müssen uns in aller Form bei dem Jungen und der Mutter entschuldigen. Die Eingliederungsvereinbarung ist null und nichtig“, sagte ProArbeit-Sprecher Ralf Geratz-Krambs.

Keine Schadenfreude bei Vaudlet

Genugtuung aber keine Schadenfreude bei Vaudlet. „Es geht hier um Menschen und ihre Rechte“, sagt sie: „Ich würde mich auch um jeden Behördenmitarbeiter kümmern.“ Deshalb kann sie es auch nicht verstehen, dass sie immer öfter als Feindin der Hartz-IV-Behörden dargestellt wird: „Ich bin keine Feindin. Ich versuche nur Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen und weise auf Fehler hin, damit diese nicht mehr passieren.“

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