Ist das Handyverbot im Krankenhaus Abzocke?

Mobiltelefone lösen Fehlfunktionen medizinischer Geräte aus, lautete lange Zeit die Begründung für das Handyverbot in Krankenhäusern.

Doch zahlreiche Studien, darunter eine Untersuchung der Uniklinik Gießen und eine der Majo-Klinik in den USA, haben diesem Argument längst den Boden entzogen: Bei einem Sicherheitsabstand von einem Meter zu den Medizingeräten sei die Handynutzung unbedenklich, heißt es. Aufgrund dieser Ergebnisse ist in der Uniklinik Frankfurt bereits im Februar das allgemeine Handyverbot gefallen â?? mit Ausnahme von Intensivstationen und OP-Bereichen, wie der Klinikvorstand in einer Pressemeldung mitteilt. Krankenhäuser in Offenbach, Darmstadt, Dieburg und Hanau zeigen sich dagegen zögerlich: bisher höchstens Lockerungen, aber keine Aufhebung des Verbots.

Im Klinikum Offenbach sind Mobiltelefone nur im Foyer und im Aufenthaltsraum erlaubt. Auf den Stationen sei die Nutzung weiterhin tabu, teilte Kliniksprecherin Marion Band mit. Auch im Ketteler-Krankenhaus prangen nach wie vor Verbotsschilder. "Das ist aber eher als Appell gemeint. Wenn jemand auf dem Flur kurz telefoniert, sehen wir schon mal darüber hinweg", sagt Verwaltungsdirektor Karl-Gerhard Sinß. Generell wolle man jedoch an der Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft festhalten. Grundlage: Bisher gäbe es keine eindeutigen Studienergebnisse, so dass Störungen medizinischer Geräte weiterhin nicht auszuschließen seien. "Außerdem sind Patienten ja im Krankenhaus, um gesund zu werden", sagt Sinß. "Es wäre schon sehr störend, wenn hier ständig und überall telefoniert würde."

Ähnlich sieht man es im evangelischen Krankenhaus Elisabethenstift Darmstadt: "Wir kennen zwar die Studien, die das Verbot als unnötig erklären. Aber um die Restwahrscheinlichkeit auszuschließen und die Belästigung der anderen Patienten und Mitarbeiter zu minimieren, sollen in unserem Haus Handys nicht benutzt werden", bekräftigt die Qualitätsmanagement-Beauftragte Renate Schieweck.

Auch das Marienhospital Darmstadt hält nach wie vor am Handyverbot fest â?? aus Sicherheitsgründen: "Wenn jemand trotzdem einmal das Handy am Ohr hat, wird es ihm zwar nicht gleich abgenommen. Aber wir sprechen die Leute schon darauf an und bitten um Verständnis", sagt Verwaltungsleiter Wolfgang Brugger.Im St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau darf hingegen zumindest in der Eingangshalle offiziell mobil telefoniert werden, auf den Stationen bleiben Handys allerdings weiterhin tabu. Gleiches gilt im St. Rochus Krankenhaus Dieburg. "Einzig und allein zum Patientenschutz", beteuert Qualitätsbeauftragter Ulrich Hübscher. "Es ist nunmal nicht kontrollierbar, wie alt die Handys mancher Leute sind, und ob sie nicht doch medizinische Geräte stören können." Dafür habe man aber inzwischen bestimmte Zonen eingerichtet, in denen Handys ohne Bedenken benutzt werden dürfen.

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