Handel mit gequälten Welpen

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Andere Hundebabys werden in viel zu engen Käfigen verstaut.

Region Rhein-Main – Illegale Welpen-Dealer transportieren Rassewelpen in winzigen Käfigen nach Deutschland. Der Markt boomt, denn die Kleinen werden zu Schnäppchenpreisen verschleudert. Wenn die Hunde den Transport überleben, sind sie krank und sterben oft nach wenigen Wochen. Von Angelika Pöppel

„Die Hündinnen werden als Gebärmaschinen missbraucht, sind oft über Jahre eingesperrt, werden von Abfällen ernährt, bekommen keine tierärztliche Betreuung. Haben sie als Gebärmaschine ausgedient, werden sie erschlagen oder unversorgt einfach ihrem Schicksal überlassen“, sagt Birgitt Thiesmann von der Organisation Vier Pfoten über die Zustände bei den illegalen Hundezüchtern. Die Welpen werden ihren Müttern viel zu früh, mit drei bis vier Wochen, entrissen: In dem Alter seien sie optisch am niedlichsten und am leichtesten zu verkaufen. In Kisten, Käfigen oder Taschen werden die verängstigten Welpen tagelang ohne Wasser und Nahrung aus Osteuropa nach Deutschland transportiert und landen bei unseriösen Hundevermittlern, die sich als Züchter ausgeben.

Die meisten Welpen landen in Deutschland

Kleine Pitbull-Welpen haben einen langen und qualvollen Weg nach Deutschland in einem Pappkarton hinter sich.

Deutschland ist laut dem Deutschen Tierschutzbund der größte Markt für die Hunde-Ware. „Von 500.000 neuen Welpen im Jahr sind mindestens 20 bis 30 Prozent illegal“, sagt Achim Imlau von der Tierschutzorganisation Tasso. Das Geschäft boomt. Grund: Die Schleuderpreise für die Rassehunde sind verlockend. „Beispielsweise Malteser, die bei uns 1500 Euro kosten, gibt es illegal schon für 150 Euro“, so Imlau.
„Die Welpen sind zwar billiger, aber dafür krank“, sagt Tierexpertin und Tierarzthelferin Helga Conradi aus Offenbach. Damit die süßen Welpen überleben, müsse der Käufer viel Geld investieren. Denn die Impfpapiere sind meistens gefälscht und daher fehlen wichtige Impfungen. „Manchmal nutzt auch eine teure Behandlung nicht mehr und die Tiere sterben nach wenigen Wochen“, weiß die Tierexpertin. Wenn sie überleben, zeigen die Tiere oft ein gestörtes Sozialverhalten. So entwickeln sich die Hunde oft zu unsicheren, stress- und aggressionsanfälligen Tieren, die dadurch häufig wieder abgegeben werden: Endstation Tierheim.

Im Tierheim landen viele Hunde in Quarantäne

Auch im Frankfurter Tierheim landen häufig illegale Welpen. Die Hundebabys müssen sofort von den anderen Tieren isoliert werden. Für die kleinen Hunde ist das eine zusätzliche Belastung. „Drei bis sechs Monate bleiben die Hunde in Quarantäne“, erklärt Marion Thiel, Leiterin des Tierheims in Frankfurt. Denn die Seuchengefahr ist groß. Die illegalen Welpen leiden oft unter unheilbaren Krankheiten, auch die in Deutschland fast ausgerottete Tollwut können sie übertragen. Für das Tierheim stellen die Hundebabys ein großes Problem dar. Denn die Behandlungen kosten viel Geld und das Heim sei nicht darauf ausgerichtet, mehr als einen Hund in Quarantäne zu halten, sagt Thiel.

Tierärzte, Tierschützer und auch das Ordnungsamt warnen vor dem Kauf der günstigen Welpen, die meist im Internet über Kleinanzeigen angeboten werden. Die Nachfrage ist dennoch sehr hoch. Wie viele Welpen illegal verkauft werden, sei nicht bekannt, so Ralf Rohr vom Frankfurter Ordnungsamt. Denn angesichts der offenen Grenzen von Polen, Rumänien oder Ungarn nach West-Europa werden nur wenige Welpentransporte entdeckt. Doch „die osteuropäische Welpenmafia verdient mit dem illegalen Handel Milliarden“, sagt Thiesmann. Um dem ein Ende zu bereiten, müssen Käufer auf Schnäppchen verzichten. Thiesmann: „Wenn ein Welpe gekauft wird, kommen fünf andere nach.“

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