Haltestellen der Dreieichbahn total verwahrlost

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Aufgeschmissen: Kai Kieseheier auf dem Bahnsteig „Dreieichenhain“ der RMV-Linie 61 (Dreieichbahn). Der Fahrplan ist zerrissen und der einzige Ticket-Automat ist defekt.

Dreieich – Neu in Dreieich und per Auto unterwegs? Kein Problem. Neu in der Stadt und auf die Bahn angewiesen? Das ist schon problematischer. Denn auf nahezu allen Bahnhöfen der Dreieichbahn bietet sich ein Bild der Verwahrlosung, besonders in Dreieichenhain: Kaputte Installationen, notdürftig geflicktes Inventar, nicht funktionierende Fahrkartenautomaten und fehlende Fahrpläne. Von Frederick Bausch

Kai Kieseheier ist vergangenen November aus beruflichen Gründen ins Rhein-Main-Gebiet gezogen und lebt nun im Ortsteil Dreieichenhain. Da er kein Auto besitzt, ist er auf das Bus- und Bahnnetz im Nahverkehr angewiesen. Doch das gestaltet sich schwierig: „Anfang November wollte ich von Dreieichenhain mit der Bahn nach Sprendlingen fahren. Doch als ich auf den Bahnhof kam, hing dort weder ein Fahrplan, noch funktionierte der Fahrkartenautomat. Nicht mal das Automaten-Display konnte man entziffern, weil das Schutzglas beschlagen und zerkratzt ist“, sagt Kieseheier. „So wusste ich nicht, welchen Tarif ich wählen muss.“ Weiter berichtet der 40-jährige Projektmanager, er habe versucht, 2,30 Euro in abgezähltem Kleingeld in den Automaten zu stecken, jedoch wurden sämtliche Münzen nicht angenommen. Auch der Versuch, mit einem Fünf-Euro-Schein zu bezahlen, scheiterte mehrere Male.

Über Monate tut sich gar nichts

Tarife hinter Milchglas: Das beschlagene und obendrein völlig zerkratzte Display des Automaten ist nicht mehr lesbar.

Grundsätzlich ist es in Zeiten klammer Kassen nichts Ungewöhnliches, wenn Bahnhöfe aus Kostengründen, wenn überhaupt, nur notdürftig in Schuss gehalten werden. Aber dass sich über Monate gar nichts tut, sei beschämend, so Kieseheier.

Inzwischen gibt es zwar einen Fahrplan. Der hängt jedoch nur noch zur Hälfte an der Holztafel, der Rest wurde offenbar mutwillig abgerissen. Ansonsten ist alles wie gehabt: Die Uhr ist mit Isolierband zugeklebt, im Dach des Wartehäuschens ist ein Glasteil herausgebrochen, ohne dass es ersetzt wurde, und die Glaswände rundherum fehlen komplett.

Kostenlos fahren, wenn der Automat nicht geht

Doch was sagen die Verantwortlichen der zuständigen Verkehrsbetriebe zu den Missständen? Was kann man tun, wenn der Automat nicht funktioniert? Darf man ohne gültige Karte einsteigen? Jürgen Hoffmann von der Kreis-Verkehrs-Gesellschaft (KVG) Offenbach rät: „Sollte der Automat defekt sein, sollte man unbedingt die Rufnummer kontaktiert werden, die am Automaten angebracht ist und mitteilen, dass der Automat nicht funktioniert. Dann kann man auch ohne Fahrkarte einsteigen und den Kontrolleur in Kenntnis setzen.“ Sollte kein Telefon zur Hand sein, kann man einsteigen und den Kontrolleur im Zug benachrichtigen.

Keiner ändert etwas

Hoffmann ergänzt: „Wir wissen über die desolaten Zustände an allen Stationen der Dreieichbahn Bescheid. Wir haben bereits 2009 alles dokumentiert und an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) weitergeleitet.“ Und so sind auch dort sind die katastrophalen Zustände bekannt und nachvollziehbar. Geschäftsbereichsleiter Hartmut Achenbach weist darauf hin, dass sich der RMV mit entsprechenden Konzepten gemeinsam mit der KVG zur Instandsetzung der Haltestellen an die zuständigen Vertragspartner DB Station und Service sowie DB Regio AG mehrmals mit Nachdruck gewandt hat.

Ausgang ist offen

„Es gab bis Ende 2009 feste Zusagen, dass die Instandsetzungen der Haltestellen auf den Weg gebracht werden. Bis heute ist jedoch gar nichts passiert“, sagt Achenbach. Ein weiteres Gespräch mit allen Verantwortlichen sei aber in nächster Zeit geplant.

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