Hainburger hetzt Unfall-Betrüger durch Europa

Kann ein Wollfaden Schuld an einem zwei Meter langen Kratzer im Autolack sein? Hat der Porsche GT3 wirklich eine Mauer touchiert? Zwei von rund 500 Fällen, denen Jörg Drewes jedes Jahr mit seinem Sachverständigenbüro nachgeht.

Ihn rufen die Versicherer, wenn ihnen einen dubiose Schadensmeldung auf den Tisch flattert, der Sachverhalt undurchsichtig ist oder der Versicherungsnehmer zu oft Schäden meldet."Meist sind es im persönlichen Gespräch aufgetretene widersprüchliche Aussagen, die uns auf die richtige Fährte bringen", erzählt Drewes in seinem Hainburger Büro. Eine ganz spezielle Fragetechnik hat er sich dazu angewöhnt. Der zweite wichtige Aspekt betrifft die technische Natur. Wo und wie sind die Anstoßpunkte? Bestätigen die Schäden den beschrieben Unfallhergang? "Dazu schauen wir uns die Unfallfotos an oder besuchen den Ort des Geschehens", berichtet Drewes. Auch das beschädigte Fahrzeug selbst wird unter die Lupe genommen. Drewes weiß aus Erfahrung, wie Unfallschäden und Lackkratzer aussehen und wo nachgeholfen worden ist. Wenn es sein muss, stellt er die Unfälle auch nach, lässt Autos kollidieren und rammt Schubkarren in Seitentüren.Standesunterschiede bei den Versicherungsbetrügern gibt es da nicht. "Vom Hartz-IV-Empfänger bis zum promovierten Doktor ist alles dabei", hat Drewes in seiner Tätigkeit als Sachverständiger festgestellt.Bei vielen ist die Hemmschwelle weit gefallen. Das bestätigt auch Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Erwischt werden kann jeder. Auch bei kleineren Versicherungsbeträgen werden immer wieder Stichproben durchgeführt", berichtet er. Überführten Betrügern drohen Rückzahlung, der Verlust des Versicherungsschutzes bis hin zu einer Strafanzeige wegen Betrugs.Beim Fall des weißen Porsche GT3 betrug der gemeldete Schaden 80.000 Euro. Der Besitzer sagte aus, er sei damit in Frankreich gegen eine Mauer gefahren. Drewes suchte den beschrieben Unfallort auf, aber an der Mauer fand er keine Spuren. Dafür erfuhr er, dass der Besitzer mit seinem Flitzer auf einer Rennstrecke am Porsche GT-Cup teilgenommen hatte und dort der Unfall passiert war. Damit war der Versicherungsschutz futsch. Der Porsche-Fahrer blieb auf seinem Schaden sitzen.Und der kratzende Wollfaden auf dem Autolack? In einem Versuch fand Drewes heraus, dass durch die Oberflächenspannung eines gespannten Wollfadens Lackkratzer entstehen können. Die Versicherung zahlte daraufhin den Schaden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare