"Hätte der EXTRA TIPP nicht berichtet, wären wir schon abgeschoben worden"

Von Christian ReinartzDietzenbach - Jasna Bukvar kann nach Monaten der Angst aufatmen. Die gebürtige Bosnierin darf in Deutschland bleiben.

Nachdem der EXTRA TIPP den Fall Anfang Dezember enthüllte, hat die Ausländerbehörde des Kreises Offenbach nun nachgegeben und die Ausreise-Verfügung gegen die junge Mutter aufgehoben. Bukvar ist überglücklich: "Hätte der EXTRA TIPP nicht berichtet, wäre ich schon abgeschoben worden."

Der Horror-Trip für die lebensfrohe Frau beginnt Ende 2006, als sie einen Brief vom Kreis Offenbach in ihrem Briefkasten findet. Der Vorwurf: Scheinehe. "Dabei ist das völliger Quatsch", sagt Bukvar: "Unsere Heirat war echt." Doch der Kreis bleibt hart und verfügt die Ausreise. Selbst, als das Offenbacher Amtsgericht ein Strafverfahren wegen der Scheinehe einstellt, bleiben die Beamten im Kreishaus knallhart. Das Unverständliche: Jasna Bukvar fällt dem deutschen Staat nicht im geringsten zur Last, ist Leiterin eines Supermarkts mit unbefristetem Vertrag. Doch das interessiert den Kreis nicht.

Verzweifelt wendet sie sich an den EXTRA TIPP. Der berichtet und sofort reagiert die Öffentlichkeit: Der Ausländerbeirat der Stadt Dietzenbach solidarisiert sich, die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl ebenfalls. Ein Unterstützerkreis mit 30 Mitglieder aus Politik, und Gesellschaft wird gebildet, eine Petition beim Hessischen Landtag eingereicht. Auch im Internet laufen die Menschen Sturm. Fast 1000 Bürger aus dem Kreis protestieren gegen die Ausländerbehörde, fordern: "Jasna muss bleiben!"

Mit Erfolg. Das Verwaltungsgericht Darmstadt erklärte jüngst den Scheinehe-Vorwurf für ungerechtfertigt und hat dem Kreis nahe gelegt, Bukvar nicht auszuweisen. "Es geht wohl nicht ganz an den Ohren eines Richters vorbei, wenn eine solche Unterstützung aus allen Parteien und Organisationen kommt", ist sich der Richter im Ruhestand und Asyl-Experte Horst Schäfer aus Dietzenbach sicher. Das Gericht habe in der Begründung sogar ausdrücklich bestätigt, dass Bukvars dauerhafter Verbleib in der BRD nur gerecht sei. Die Ausländerbehörde musste sich deshalb korrigieren. Kreispressesprecherin Ursula Luh: "Wir haben die Ausreiseverfügung zurückgenommen."

Jasna Bukvar ist nur das jüngste Glied in einer ganzen Reihe von Ungereimtheiten in der Dietzenbacher Ausländerbehörde. Schon 2006 wehrte sich Familie Begovic erfolgreich gegen die angedrohte Ausreise, und 2005 begehrte Nuzhat Malik mit ihren Kindern auf. Erst das Bundesamt zur Anerkennung politischer Flüchtlinge hinderte damals die Ausländerbehörde Malik abzuschieben. In allen drei Fällen revidierte die Kreisverwaltung ihre Entscheidung nicht von selbst, sondern erst auf Druck von Gerichten und Öffentlichkeit.

Zudem halten sich seit Jahren hartnäckig Gerüchte, dass es im Ausländeramt fremdenfeindliche Tendenzen gibt. Erst im April 2007 wurde gegen einen Mitarbeiter und dessen Vorgesetzten wegen ausländerfeindlichen Äußerungen ermittelt. Vor Jahren wurde sogar ein hochrangiger Beschäftigter als Mitglied einer rechten Partei überführt.

Jasna Bukvar kümmert das im Moment wenig. Sie kann ihr Glück nach Monaten der Angst kaum fassen. Dankbar ist sie ihren Freunden, Politikern und dem Unterstützerkreis. "Das alles wäre aber nie passiert, wenn nicht der EXTRA TIPP meinen Fall öffentlich gemacht hätte", sagt Bukvar: "Danke!"

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