Gruppen Kotzen: Ess-Brech-Sucht immer dramatischer

Anwohnerin Marion Scheible hat die Kotz-Pfützen beim Gassi-Gang mit ihrem kleine Hund schon Anfang der Sommerferien entdeckt. "Seitdem übergeben sich die Jugendlichen dort immer wieder", berichtet sie.

Solche Beobachtung haben mittlerweile zahlreiche weitere Anwohner der Stadt gemeldet, bestätigt Markus Hockling vom Dietzenbacher Ordnungsamt. Die Identität der Mädchen konnte bisher allerdings nicht geklärt werden. Die Überbleibsel der nächtlichen Gruppen-Kotz-Orgien stinken den Nachbarn gewaltig. Denn wenn es im Spätsommer noch einmal warm wird, zieht der säuerliche Geruch von Erbrochenem durch die Siedlung, in der vor allem jungen Familien wohnen. "Das ist echt nicht mehr zum Aushalten", ärgert sich Scheible: "Überall stinkt es." Die Hunde würden das Erbrochene sogar jedesmal aufschlecken. "Das ist doch ecklig."Hockling verspricht, den ungewöhnlichen Ereignissen auf den Grund zu gehen. "Wir haben unseren freiwilligen Polizeidienst angewiesen, dort regelmäßig in den Abendstunden Streife zu laufen." Allerdings nicht, um die jungen Mädchen wegen der Verschmutzung zu belangen, sondern um ihnen zu helfen, betont er.Dass die Mädchen schnell Hilfe brauchen, bestätigt Diplompsychologe und Essstörungs-Spezialist Roland Breinlinger aus Frankfurt: "Diese Mädchen leiden unter der klassischen Fress-und-Kotz-Sucht." Diese Essstörung sei typisch für junge Frauen und ziemlich weit verbreitet. Kollektives Übergeben ist ihm in seiner langjährigen Praxis aber nie begegnet.Er hat nun exklusiv für den EXTRA TIPP ein Profil der unbekannten Gruppen-Kotzerinnen entworfen: Die Mädchen sind demnach mitten in der Pubertät, kommen aus einem normalen Elternhaus der Mittelschicht, wohnen sehr wahrscheinlich im betroffenen Neubau-Viertel und sind in Sachen Essstörung noch nie auffällig geworden. Die Betroffenen sind normalgewichtig bis kräftig. Wahrscheinlich ist auch, dass einige der Mädchen sich zusätzlich auch auf der Toilette übergeben - natürlich heimlich. "Einige sind wahrscheinlich wirklich erkrankt und kotzen auch alleine auf der Toilette. Andere machen nur mit", so Breinlinger.Den Grund für das kollektive Kotzen sieht der Experte in der familiären Situation, in der sich die meisten Kinder in diesem gesellschaftlichen Kreis befänden. "Diese Kinder leben in sehr nervösen Familien." Reihenhaus-Kredit, Autofinanzierung und andere existentiellen Dinge bestimmen die Gespräche beim Abendessen, hängen wie ein Damokles-Schwert über dem Familienalltag. Gepaart mit der Angst vor gesellschaftlichem Abrutschen und einer großen Sorge um die schulischen Erfolge ihrer Sprösslinge, bauten die Eltern, ohne es zu wollen, einen ungeheuren Druck auf.Das gemeinsame Kotzen ist, so der Experte, ist ein Ritual, bei dem die Mädchen bei Ihresgleichen Bestätigung finden. Breinlinger: "Sie finden ihre Situation wörtlich einfach zum Kotzen."

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