Deutsche Social-Media-Nutzer sind laut Studie schlechter gebildet

Gewalt, Hetze und Co. im Internet: So ticken die Hass-Trolle!

+

Region Rhein-Main – Immer mehr Menschen haben Zugang zum Internet. Das gilt auch für Menschen, die sich benachteiligt oder bedroht fühlen. Sie sind es dann oftmals, die ihren Hass ohne Hemmungen in die sozialen Netzwerke schicken. Von Dirk Beutel

Flüchtlingskrise, Rechtsextremismus, Terrorangst: In den sozialen Netzwerken herrscht schon lange eine aufgeheizte Stimmung. Gegen Migranten, Vertriebene, Homosexuelle, Behinderte oder andere Randgruppen. Mit anderen Internetnutzern sachlich über diese Themen zu diskutieren, scheint allerdings nahezu unmöglich. Immer wieder tauchen hasserfüllte Kommentare, Verschwörungstheorien, Gewaltfantasien, Beleidigungen und sogar Anstiftungen zur Gewalt auf. Vor allem politische Themen polarisieren. Doch offenbar existiert bei Manchen vor den Bildschirmen keine Hemmschwelle mehr, ihre Aggressionen, ihren Neid und ihre verschrobenen Theorien ins Netz zu schicken. „Extrem aggressive Töne kommen vor allem dann gehäuft vor, wenn sich Menschen in irgendeiner Form in ihrer Weltanschauung oder sogar ihrem realen Leben bedroht fühlen“, sagt Oliver Quiring Kommunikationswissenschaftler vom Mainzer Institut für Publizistik.

Trolle wollen nur Unruhe stiften

Dazu kommen Trolle. Sogenannte Unruhestifter im Internet, die von vornherein überhaupt kein Interesse an irgendeiner Diskussion haben. Ihr Ziel ist es, die Stimmung zu drücken, zu provozieren, zu beleidigen und sich am Ärger anderer zu erfreuen. „Ihnen geht es nicht um Inhalte. Sie wollen bewusst andere ärgern und provozieren“, sagt Sonja Utz, sie ist Professorin für Kommunikation in sozialen Medien an der Universität Tübingen. „Der Hass im Netz scheint sich insofern gesteigert zu haben, dass mittlerweile auch andere Milieus zum Internet Zugang haben und sich äußern“, sagt Benjamin Krämer, wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das bestätigt auch Oliver Quiring: „Viele haben entweder ihre Emotionen nicht besonders gut im Griff oder nicht die Fähigkeit zur sachlichen Formulierung. Und es gibt solche, denen nicht stets bewusst ist, dass sie nicht am Stammtisch sitzen, sondern viele andere mitlesen. Eine neue OECD-Studie hat festgestellt, dass die Social-Media-Nutzer in Deutschland im Schnitt eher schlechter gebildet sind, als in anderen Ländern.“

Nachwuchs gibt es genug

Allerdings sind aggressive Kommentare im Internet nichts Neues. „Die gibt es schon, seit es das Internet selbst gibt“, sagt Utz. „Seit den 90er Jahren herrscht bereits ein rauer Ton, nur damals ist das nicht so aufgefallen wie heute.“ Das Problem: Die Hetzer und Krawallmacher schaffen offenbar reichlich Nachwuchs ran. Das sei allerdings nicht verwunderlich. Denn wer im Netz pöbelt, sehe sich meist selbst in der Opferrolle. Bedroht in der eigenen Lebensweise – jedoch unfähig, sich in andere hineinversetzen. „Diese Menschen haben nicht die Fähigkeit, sich in diejenigen hinein zu fühlen, die sie belästigen oder bedrohen. Sie nehmen nur irgendwelche Stereotypen wahr und nehmen diese als Zielscheibe für ihre eigene Unzufriedenheit.“ Die Wissenschaftler raten: Sich nicht auf Hasskommentare einlassen und sie am Besten ins Leere laufen lassen. Krämer: „Solche Menschen lassen sich genauso wenig im Netz vom Gegenteil überzeugen, wie wenn man mit ihnen auf der Straße sprechen würde. Aber: „Wenn es um Aufrufe zur Gewalt oder um Volksverhetzung geht, sollte man nicht lange fackeln und das zur Anzeige bringen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare