Drohen, Spucken, Spielabbruch

Gewalt im Amateurfußball ist allgegenwärtig

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Dicke Luft an der Seitenlinie: Ausschreitungen nach einem Amateurspiel sind keine Seltenheit.

Region Rhein-Main –Beim Fußball sehen viele Anhänger rot – nicht nur bei Derbys. Auch wenn es um nichts geht, rasten Trainer, Eltern oder Fans aus. Laut dem Hessischen Fußball-Verband gibt es aber kein Gewaltproblem. Von Dirk Beutel 

Die Stimmung auf Hessens Fußballplätzen ist gereizt. Nicht nur unter den Spielern, auch an der Seitenlinie lassen die Anhänger gerne mal Dampf ab. Neuester Fall: Eine Messerstecherei nach dem Hessenliga-Spiel zwischen dem SV Wehen Wiesbaden II  und Jügesheim. Tatort Fußballplatz: Gerade in den tieferen Ligen haben viele eine kurze Zündschnur.

Besonders oft sind Schiedsrichter das Ziel von Beleidigungen, Drohungen und Tätlichkeiten. Mathias Lippert  pfeift seit 23 Jahren und ist Schiedsrichterobmann im Kreis Frankfurt. Er erlebt solche Szenen hautnah: „Dass einer ausrastet, kommt mehrmals im Monat vor. Gerade erst vergangenen Samstag habe ich das bei einem Spiel der E-Jugend-Kreisklasse  erlebt, wie ein Trainer einen Schiedsrichter-Kollegen wild und lautstark angepöbelt hat. Auch Eltern geraten schnell in Rage.“

Kinder vom Spielfeldrand pushen

Hiergehts zum Kommentar "Gewalt im Keim ersticken"

Das bestätigt Thaya Vester, Mitarbeiterin des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen. Sie forscht über Gewaltphänomene im Amateurfußball: „Eltern und Großeltern neigen immer mehr dazu, ihre Kinder am Spielfeldrand extrem zu pushen. Ein besonderes Aggressionspotential lässt sich auch bei Trainern feststellen. Viel Gewalt wird von außen in das Spiel hereingetragen.“ Das weiß der Hessische Fußballverband und setzt auf seine Kampagne „Nein! zu Gewalt und Diskriminierung“.

Demnach sei die Zahl der Fälle leicht gesunken, jedoch habe man eine leichte Steigerung bei der Qualität der Gewalt beobachtet. „Die Hemmschwelle handgreiflich zu werden ist gesunken. Das ist aber eine gesellschaftliche Entwicklung. Wir haben in Hessen kein Gewaltproblem“, sagt Eric Maas, Justiziar des Hessischen Verbandes. Vester gibt jedoch zu bedenken, dass ausgerechnet Vorbilder durchdrehen: „Das sollte einen stutzig machen, ebenso wie die Tatsache, dass bei Spielen, bei denen es um nichts geht, gehäuft Gewalt vorkommt.“

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