"Gericht treibt mich in Hartz IV"

Von Norman KörtgeOffenbach/Mainhausen - Der heutige Sonntag ist für Ralf Limburg aus Mainhausen ein trauriger. Heute läuft sein Arbeitslosengeld I aus, ab morgen muss er Hartz IV beantragen. Die Schuld daran gibt er dem Arbeitsgericht Offenbach.

Vor dem klagt er seit Januar gegen seine Kündigung. Bislang ohne Urteil. Weiter gehtâ??s erst nächstes Jahr.

Es muss ein ohrenbetäubender Knall gewesen sein, der am 17. Oktober des vergangenen Jahres gegen 14 Uhr die Ellenseestraße in Seligenstadt erschütterte. "Ein Arbeitskollege hat aus Spaß einen Beutel mit einem Gas-Sauerstoffgemisch zur Explosion gebracht. Der wollte uns erschrecken", berichtet Ralf Limburg. Ein Spaß war es aber definitiv nicht, denn danach klagten Mitarbeiter über Ohrschmerzen.

Für Limburg, der seit 23 Jahren als Vorarbeiter angestellt war, hatte die Explosion andere Folgen. Der 46-Jährige geriet in den Verdacht, mitverantwortlich für die Tat zu sein. Der Arbeitgeber kündigte ihm fristlos.

"Ich hatte damit nichts zu tun", beteuert der zweifache Vater. Die Polizei habe ihn vernommen, es liegt sogar ein schriftliches Geständnis des ehemaligen Arbeitskollegen vor. Geholfen hat es Limburg nicht. "Angeblich kann ich nicht lückenlos nachweisen, wo ich war", erzählt er. Deshalb klagt er auch gegen die fristlose Kündigung vor dem Arbeitsgericht Offenbach.

Und das zieht sich nun schon ziemlich lange hin. Am 10. und 29. Januar fanden zwei Gütetermine statt. Jedoch ohne Erfolg. Dann am 8. Mai der erste Kammertermin. Da ein von der Arbeitgeberseite bestellter Zeuge wegen Krankheit nicht erschien und zudem Strafakten wegen der Explosion das Gericht erreichten, musste die Verhandlung vertagt werden. Beide Parteien machten sich nun erst einmal mit der neuen Aktenlage vertraut.

Dass das Strafverfahren wegen der Explosion noch nicht abgeschlossen ist, bestätigt Oberstaatsanwalt Alexander Stahlecker gegenüber dem EXTRA TIPP.

Wie Hans-Jürgen Schäfer, Direktor des Arbeitsgerichts Offenbach, erklärt, bestand nach dem Mai-Termin durchaus die Möglichkeit, dass sich beide Parteien außergerichtlich einigen könnten.

Taten sie aber nicht. Anfang August stellte Limburgs Anwalt den Antrag auf Fortsetzung der Verhandlung. Der Termin wurde auf den 6. November festgesetzt. Doch der wurde abgesagt wegen einer Erkrankung des Richters. Neuer Termin: 22. Januar.

"Das kann ja wohl nicht sein. Das Gericht treibt mich in Hartz IV rein", schimpft Limburg. Am 16. November läuft sein Arbeitslosengeld  I aus. "Ich hatte gehofft, dass die Sache am 6. November endgültig geklärt wird und vom Tisch ist", sagt er.

Hans-Jürgen Schäfer kann den Unmut von Limburg verstehen. Aber: "Das ganze Verfahren ist nicht typisch verlaufen", sagt er. Es sei ein komplexes Problem, kein normaler Arbeitsgerichtsprozess.

Dennoch gibt es jetzt einen früheren Termin: 8. Januar. Zu dieser Verhandlung hat der Richter 13 Zeugen geladen.

Für Ralf Limburg alles kein Trost. Er geht morgen aufs Amt und beantragt Hartz IV.

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