Vor Gericht gegen den eigenen Anwalt

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Ahmed Achbehe aus Neu-Isenburg will seinen Ex-Anwalt verklagen.

Neu-Isenburg – Ahmed Achbehe aus Neu-Isenburg wartet seit der Scheidung von seiner Frau 2007 auf sein Geld. Doch dann teilt ihm sein Anwalt plötzlich mit, dass sein Anspruch seit einem Jahr verjährt sei. Jetzt will er klagen. Von Angelika Pöppel

„Ich fühle mich über den Tisch gezogen“, sagt Ahmed Achbehe aus Neu-Isenburg. Seit fünf Jahren verspricht seinAnwalt, den Zugewinnausgleich von seiner Ex-Frau einzufordern. Nach einer Scheidung wird das Vermögen mit Hilfe des Ausgleichs berechnet. Laut Anwalt stehen dem Neu-Isenburger rund 6800 Euro zu. Doch in diesem Jahr informierte der Anwalt überraschend Achbehe darüber, dass sein Anspruch bereits 2011 – nach fünf Jahren – verjährt sei.

Angeblich habe Achbehe auf den Anspruch bereits 2010 verzichtet. Eine handschriftliche Notiz des Anwalts soll das beweisen: „Mandant will nicht mehr! Alles zumachen! Hat keine Lust mehr, will kein Geld. Will nichts mehr mit ihr zu tun haben.“ Achbehe bestreitet das gesagt zu haben: „Warum sollte ich auf das Geld verzichten wollen? Zu dieser Zeit habe ich das Geld so sehr gebraucht, wie noch nie.“ Im Jahr 2010 wurde der Marktleiter arbeitslos und musste eine teure Zahnarztbehandlung abbezahlen.

„Die Justiz ist generell auf der Seite der Anwälte.“

Zugewinnausgleich

Die Vermögen der Ehepartner, die im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, bleiben während des Bestehens der Ehe grundsätzlich voneinander getrennt. Kommt es zur Scheidung, so ist auf Antrag der während der Ehe erzielte Zugewinn auszugleichen. Die Differenz zwischen End- und Anfangsvermögen ist der während der Ehe erzielte Zugewinn.

Tausende von Euro hat Achbehe bereits an seinen Anwalt gezahlt. Mittlerweile hat er sich an Anwältin Katja Härterich aus Neu-Isenburg gewandt. Doch sie rät ihm ganz klar davon ab, seinen Ex-Anwalt zu verklagen. „Da der Anwalt bestreitet, sich pflichtwidrig verhalten zu haben und das auch durch die Notiz belegt wird, kann Herr Achbehe leider nicht nachweisen, dass sich der Anwalt im August 2010 falsch verhalten hat“, sagt Härterich. Er hätte in einem Verfahren kaum Chancen.

Horst Trieflinger vom Verein gegen Rechtsmissbrauch in Frankfurt hält dagegen: „Die Notiz des Anwalts hat keine Rechtskraft.“ Wenn Achbehe das gesagt hätte, hätte der Anwalt ihn auffordern müssen, das schriftlich zu bestätigen. Dennoch rechnet auch Trieflinger dem Neu-Isenburger keine großen Chancen aus: „Die Justiz ist generell auf der Seite der Anwälte.“ Er solle sich an die Schlichtungsstelle in Berlin wenden. Wenn die Experten ihm Recht geben, dann habe es Sinn zu klagen, sagt Trieflinger. Und die Schlichtung sei kostenlos.

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