Geplantes Großlager sorgt für Zoff zwischen Dieburg und Münster

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Breiter Widerstand: Ein Teil der 400 Mitglieder des BIBDD bei einer Informationsveranstaltung am Dienstag dieser Woche.

Dieburg/Münster - Die Fronten zwischen Dieburg und Münster werden immer härter. Grund ist das geplante Bauprojekt der Firma Fiege im „Dieburger Dreieck“. Jetzt musste die Polizei eingreifen. Von Jens Dörr

Dieburg und Münster sind ein bisschen wie Frankfurt und Offenbach: Zwar nicht in inniger Hassliebe miteinander verbunden wie die Städte am Main, aber räumlich doch längst derart miteinander verwachsen, dass man sich an den Schnittstellen manchmal fragt, ob man nun noch in Dieburg oder schon in Münster ist. Bisher pflegten die Stadt im Süden (Dieburg) und die Gemeinde im Norden (Münster) ein gutes Verhältnis, arbeiten interkommunal bereits etwa bei Bauhof und Standesamt zusammen.

Firmenbau wäre der größte in Dieburg

Längst hat sich aber ein Schatten über die Nachbarschaft gelegt. Das geplante Großlager der Firma Fiege am „Dieburger Dreieck“ sorgt für Zoff. Seit Donnerstagabend ist der Ärger in Münster und besonders seinem Ortsteil Altheim nochmals gewachsen. Da verabschiedete das Dieburger Parlament mit großer Mehrheit den Bebauungsplan für ein 16 Hektar großes Areal, auf dem ein Komplex von 550 Metern Länge und 160 Metern Breite entstehen soll, der mit 17 Metern Höhe sogar die vorbeiführende, erhöhte B45 überragen würde. Es wäre das mit Abstand größte Gebäude, das in Dieburgs Geschichte je gebaut wurde.

Tumulte bei Informationsveranstaltung

Zwar gründete sich im August 2013 die Bürgerinitiative „Bebauung Dieburger Dreieck“ (BIBDD), die mittlerweile 400 Mitglieder und 1800 Unterschriften gegen den Megabau zwischen B26, B45, einer Kreisstraße, dem Osten Dieburgs, dem Süden Münsters und dem Münsterer Ortsteil Altheim gesammelt hat. Aller Protest verpuffte beim Großteil der 37 Dieburger Abgeordneten aus fünf Fraktionen jedoch. Sie ließen sich auch durch tumultartige Szenen im Saal vor der Abstimmung nicht irritieren. Erst der herbeigerufenen Polizei gelang es, einen Störer zum Verlassen des Saales zu bewegen.

Münster bekommt nur die Nachteile ab

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Der parteilose Dieburger Bürgermeister Werner Thomas, der Fiege in Geheimverhandlungen an Land gezogen hatte und unter anderem auf Verkaufserlöse von 2,6 Millionen Euro für bisheriges Ackerland setzt, steht weiter hinter der Ansiedlung. Diese soll mindestens 400 Arbeitsplätze vor die Haustür bringen, zudem neben dem einmaligen Verkaufserlös und der Erschließung des Areals durch Fiege jährlich Grund- und Gewerbesteuer.
Da Fiege bundesweit aber seit Jahren kaum Gewinn erzielt, dürfte letztere das Dieburger Gewerbesteueraufkommen von rund 15 Millionen Euro nicht wesentlich erhöhen. Die Gegner heben daneben vor allem die Verschandelung der Landschaft, zusätzliche 1400 Pkw- und Lkw-Bewegungen pro Tag, Schadstoffemissionen, Lärm und generell eine Entwertung der selbsternannten „Stadt im Grünen“ hervor. Von den Einnahmen hätte Münster nichts, bekäme aber die volle Breitseite an Nachteilen ab. Das häufig uneinige Münsterer Parlament steht dem Großbau geschlossen entgegen. Verärgert über den Nachbarn ist man vor allem, weil dieser weder Verwaltung noch Fraktionen nennenswert in sein Vorhaben eingebunden hat.

Aufruf zum zivilen Ungehorsam

„Nicht akzeptabel“ nennt Udo Beutler, Münsters CDU-Bürgermeisterkandidat, das Vorgehen in den politischen Gremien des Nachbarn. SPD-Spitzenkandidat Gerald Frank ist nicht minder empört. Gerhard Bonifer-Dörr, der für die Alternative Liste Münster-Altheim ins Rathaus will, hat sogar zum „zivilen Ungehorsam“ aufgerufen. Nun ist Fiege auf dem Weg und zwischen Dieburg und Münster herrscht erst einmal Eiszeit. Münster lässt derzeit, mit wohl geringen Erfolgsaussichten, juristische Schritte gegen den Bebauungsplan prüfen. Die beste Nachricht mit Blick aufs nachbarschaftliche Verhältnis: Zumindest in der BIBDD  kämpfen Dieburger, Münsterer und Altheimer weiter Seit’ an Seit’

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