Frankfurt setzt dennoch auf teure Natursteine

Da ächzt der Asphalt! SUVs machen Straßen platt

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Schwere Geländewagen machen vor allem Natursteinpflaster zu schaffen.

Region Rhein-Main – Der Asphalt bröckelt! Die Straße hält den Belastungen kaum mehr Stand. Straßen-Feind Nummer eins ist der LKW. Doch dahinter kommt direkt die so beliebte, aber bis zu 2,5 Tonnen schwere, Geländelimousine – besser bekannt als SUV. Von Angelika Pöppel

15,9 Millionen Euro hat die Stadt Frankfurt in ihre Straßen im vergangenen Jahr investiert. Hauptsächlich ging das Geld für die Beseitigung von Straßenschäden drauf. Und 2015 werden für das gleiche Budget weitere 72 Straßen erneuert. Denn: LKW und Busse bringen den Asphalt an seine Grenzen. Doch auch der private Autofahrer macht den Straßen immer mehr zu schaffen. Denn nicht nur der Verkehr wächst – die Fahrzeuge auch: SUV-Geländewagen sind voll im Trend. Laut einer Studie des CAR-Center der Universität Duisburg-Essen wurden von Januar bis Juni 2012 248.170 Geländewagen verkauft. 2015, so die Prognose von Experten, könnten die Verkaufszahlen auf bis zu 570.000 Exemplare steigen.

Natursteine werden rausgehebelt

Und unter den 2,5 Tonnen schweren SUVs ächzt der Asphalt. Trotz relativ mildem Winter hat die Stadt Frankfurt 1,3 Millionen Schäden behoben, 300.000 mehr als im Vorjahr. Viel schlimmer wirken die schweren Schlitten aber auf Natursteinpflaster. „Allein beim Ausparken, wenn die Fahrer im Stehen lenken, drehen sie die Steine einfach aus dem Boden“, sagt Gabriele Dehmer vom Frankfurter Amt für Straßenbau und Erschließung. Problem: Natursteine sind teuer. Im Vergleich zum herkömmlichen Betonpflaster, das pro Quadratmeter rund 14 Euro kostet, schlägt Natursteinpflaster mit 40 bis 60 Euro zu Buche. „Das ist ein großes Problem“, sagt Dehmer.

In Bad Homburg wird Pflaster komplett ausgetauscht

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Mit diesem Problem ist die Stadt Frankfurt allerdings nicht allein: „Gerade die Taunus-Kommunen haben damit zu kämpfen“, sagt Dehmer. In Bad Homburg bestätigt Pressesprecher Andreas Möring, dass die Steine für schwere Fahrzeuge nicht geeignet sind. „Die Natursteine auf dem Platz vor dem Kurhaus sollen ausgetauscht werden“, sagt er. Vor allem der Busverkehr zerstöre das Pflaster. In anderen Bereichen gebe es aber keine Probleme. „Meistens sind kleinere Nebenstraßen mit Naturstein gepflastert und die werden nicht so stark genutzt“, sagt Möring. In Kriftel verzichtet man heute komplett auf die Natursteine: „In den vergangenen Jahren haben wir keine Flächen mehr mit Natursteinpflaster belegt. Denn das Pflaster bricht bedeutend öfter und leichter als Betonpflaster aus“, sagt Franz Jirasek vom Gemeindevorstand. Der Aufwand und die Kosten seien erheblich höher.

Stadtplaner setzen weiterhin auf teure Pflastersteine

Oberursel ist dagegen immun gegen lose Pflastersteine. Pressesprecherin Nina Kuhn: „Wenn das Natursteinpflaster ordnungsgemäß verlegt wurde und der Unterbau entsprechend hergerichtet ist, hält es sogar Müllautos aus – also auf jeden Fall auch SUVs. Wenn also Schäden auftreten, hat dies in der Regel damit zu tun, dass es Schädigungen im Unterbau gibt.“ Natürlich müssen immer mal wieder ein paar Steine ausgetauscht oder befestigt werden, aber das bewege sich im Rahmen.

In Offenbach werden aufgrund der hohen Kosten und hoher Geräuschentwicklung Natursteinpflaster nur noch in verkehrsberuhigten Bereichen und auf Plätzen verbaut. „Sie haben bei richtiger Verlegung sogar eine wesentlich höhere Lebensdauer als Beläge aus Asphalt oder Betonpflaster“, sagt Fabian El Cheikh, stellvertretender Presseamtsleiter in Offenbach.

In Frankfurt setzen Stadtplaner weiterhin gerne auf die teure Variante. „Wir wollen nicht nur großflächige Asphaltbahnen, sondern einzelne Bereiche attraktiv gestalten“, sagt Michael Hootz, Leiter des Stadtplanungsamts. Allerdings solle in Zukunft eine Schonfrist gesetzt werden bis das Pflaster wieder befahrbar ist: „Die Fugen müssen sich setzen, danach sind die Steine unverwüstlich“, sagt Hootz.

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