Rund 2000 Geisterfahrer jährlich

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In diesem Auto starben am vergangenen Sonntag fünf Menschen, nachdem ein Geisterfahrer auf der A5 bei Offenburg einen Unfall verursachte.

Region Rhein-Main – Ob Drogen, Übermüdung, Suizid oder Unachtsamkeit – alles Gründe für eine Geisterfahrt. Kommt es zu einem Falschfahrer-Unfall, sind die Folgen dramatisch. Von Silke Gottaut

Erst vergangenen Sonntag kam es bei Offenburg wegen eines Geisterfahrers zu einem Horror-Crash: Sechs Menschen starben, fünf wurden zum Teil schwer verletzt. Auch im Rhein-Main-Gebiet sind Falschfahrer keine Seltenheit – mindestens einer pro Woche.

Er war auf der B45 im Landkreis Offenbach unterwegs. Anstatt viele rote Rücklichter, sah er plötzlich zwei hell leuchtende Scheinwerfer vor sich. Sie kamen immer näher: „Meine Augen wurden immer größer. Auf mich kam ein Geisterfahrer zu“, berichtet Ulrich Müller, Streifenbeamter der Polizeiautobahnstation Langenselbold. „Zum Glück raste der Fahrer nicht, so dass ich noch schnell mein Blaulicht anmachen konnte, um ihn so erfolgreich zu stoppen.“ So eine Situation ist lebensgefährlich. Müller möchte sie nicht noch einmal erleben. Doch mit Falschfahrern hat er ständig zu tun: „Etwa einmal in der Woche geben wir eine Falschfahrer-Warnmeldung aus unserem Gebiet an die Radiosender weiter“, sagt Müller.

Solche Meldungen kennt Nils Grunwald, Verkehrsredakteur bei Hit Radio FFH, sehr gut: „Allein in den vergangenen sechs Wochen waren rund ein Dutzend Falschfahrer rund um Frankfurt, Offenbach und im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis unterwegs.“ Ein Unfall passierte zum Glück nicht. Wenn Grunwald die Eilmeldung von der Polizei bekommt, gibt er sie umgehend ins Studio zum Moderator. Dieser unterbricht sofort das Programm.

Eine Falschfahrer-Falle gibt es auf der A661 in Höhe Friedberger Landstraße: „Die Auffahrt in Richtung Egelsbach ist baulich bescheiden,“ erklärt Reinhold Matzek, Dienstgruppenleiter der Autobahnpolizei Frankfurt. „An dieser Anschlussstelle gibt es vier Abfahrtsspuren und eine Auffahrtsspur. Öfter wählt einer die falsche Spur.“ Bei FFH wurden im Oktober in Höhe dieser Stelle allein zwei Falschfahrer gemeldet.

Pro Jahr werden rund 2000 Falschfahrer auf deutschen Autobahnen gemeldet, berichtet Andreas Hölzel, ADAC-Verkehrsexperte. Damit solche Situationen nicht mehr so häufig vorkommen, fordert der ADAC „den flächendeckenden Einsatz von Verkehrszeichen mit höchster Retroreflexion. Auch innen durchleuchtete Verkehrszeichen können sinnvoll sein, ebenso wie zusätzliche Richtungspfeile auf der Fahrbahn.“

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