So geht Rodgau mit Ehrenamtlichen um: Bußgeld statt Lob

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Will nur Anerkennung: Weil Norbert Krumeich ein Hinweisschild auf dem von ihm gepflegten städtischen Beet anbrachte, sollte er Strafe zahlen.

Rodgau – Wenn Norbert Krumeich den Brief in die Hand nimmt, kocht in ihm die Wut hoch. Das Rodgauer Ordnungsamt will ihm das Schild wegnehmen, das ihn als ehrenamtlichen Paten eines städtischen Beetes in Weiskirchen ausweist. Von Christian Reinartz

„Als ich den Brief gelesen habe, habe ich gedacht, die ticken nicht mehr richtig im Rathaus“, sagt Rentner Norbert Krumeich: „Da engagiert man sich ehrenamtlich und bekommt dafür noch einen Tritt in den Hintern.“

Zum Hintergrund: Der Rodgauer hatte vor etwas über einem Jahr beschlossen, ein verdrecktes städtisches Beet unter seine ehrenamtliche Obhut zu nehmen.„Ich hab da erstmal jede Menge Schutt wegräumen müssen“, erinnert sich Krumeich. Er ist schwer herzkrank, nur noch zehn Prozent seines Herzens sind intakt. Dennoch habe er die beschwerliche Arbeit verrichtet. Seitdem ist er offizieller Beetpate des kleinen Fleckchen Grüns an der Straßenecke Donaustraße/Hainhäuser Straße. Schon damals wollte der Rodgauer wenigstens etwas öffentliche Anerkennung für sein Engagement und brachte ein Hinweisschild mit seinem Namen an. „Ich wollte, dass jeder sieht, wer das hier pflegt“, argumentiert Krumeich. Die damalige Stadträtin Hildegard Ripper habe ihm die Erlaubnis dazu gegeben und ihm versprochen, das Beet vor Ort zu begutachten.

Ohne Genehmigung kein Schild

Ein Jahr später folgt das böse Erwachen. Per Post fordert das städtische Ordnungsamt Krumeich auf, das Schild binnen Wochenfrist zu entfernen. Es gehe eine Verletzungsgefahr davon aus, heißt es in der Begründung. Außerdem sei das Anbringen von Schildern im öffentlichen Raum ohne Genehmigung nicht gestattet. „Die wollten mir sogar einen Bußgeldbescheid schicken“, regt sich Krumeich auf: „Meine zehn Prozent Herz sind immer noch mehr als das, was die Stadt Rodgau für ihre Bürger übrig hat.“

Verzweifelt schaltet der Rentner den EXTRA TIPP ein, droht bei der Stadt Konsequenzen an. Nach einem Anruf bei der zuständigen Fachbereichsleiterin Elfi Ziebold ist die Sache dann klar. Krumeich darf sein Schild behalten, wenn er es etwas tiefer hängt.„Wir haben nicht gewusst, dass Herr Krumeich sich die mündliche Erlaubnis der Stadträtin eingeholt hat“, bemüht sich Ziebold um Schadensbegrenzung.

Norbert Krumeich ist froh, dass der Spuk nun endlich vorbei ist und weiterhin jeder Passant lesen kann, wer sich so liebevoll um das kleine Beet kümmert: „Danke EXTRA TIPP.“

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