Koordinierungsstelle in Frankfurt beklagt stetigen Rückgang

Uns gehen die Organe aus

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In dieser Box könnte sich ein lebenswichtiges Organ befinden. Ärzte sind händeringend auf der Suche nach Organen, die in anderen Körpern Leben retten können.

Frankfurt – Sie sind verzweifelt, gelähmt von Todesangst und zerfressen vom Schmerz. Ihre Hoffnung ist eine Organtransplantation, weil Herz, Lunge oder Leber nicht mehr funktionieren. Sie sind zirka 1000 in Deutschland. Ihre Hoffnung ist vergebens. Sie sterben, weil es nicht genug Organspender gibt. Von Axel Grysczyk

 Im Oktober ist die Zahl der Organspender auf dem niedrigsten Monatswert seit zehn Jahren angekommen. Die in Frankfurt ansässige Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) hofft auf mehr Aufklärung. Ansonsten werden 2013 wegen fehlender Organe in Deutschland wieder 1000 Menschen sterben.

Am Frankfurter Deutschherrenufer ist der Hauptsitz der Koordinierung für die Organspende in Deutschland. Hier wird alles versucht, die Deutschen zu Organspendern zu machen. Der Erfolg ist überschaubar. „Im Jahr 2011 hatten wir bis September 900 Organspender. Im vergleichbaren Zeitraum sind es in diesem Jahr 829“, sagt Nadine Körner von der Pressestelle der DSO. Die Hessen bilden zusammen mit Rheinland-Pfalz und dem Saarland eine Region innerhalb der DSO-Struktur. Auch sie sind auf dem Rückzug: Bis Oktober 2011 gab es 122 Organspender, in diesem Jahr sind es 105. Körner: „Die Zahl der Spender ist immer Schwankungen unterworfen. Klar ist aber, dass die jüngsten Manipulationsvorwürfe gegen Transplantationsmediziner unser Anliegen nicht gefördert haben.“

Der DSO-Anspruch ist Information. Körner: „Wir wollen, dass sich die Leute mit dem Thema beschäftigen.“ Die Organspenden-Werber sind sich sicher, dass sie dadurch automatisch mehr Resonanz bekommen. Einen Ausweis könne man sich aus dem Internet runterladen oder sich nach einer Beratung am kostenlosen DSO-Infotelefon unter Telefon (0800) 9040400 zuschicken lassen. „Es ist wichtig, dass man das Thema mit seiner Familie und seinem Partner bespricht. Somit ist für alle Fälle vorgesorgt“, sagt Körner. Auch Patientenverfügungen müssen so gestaltet werden, dass sie eine Organentnahme nach dem Tod nicht ausschließen. Körner: „Da gibt es vorgefertigte Formulierungen, die aufgenommen werden können.“ Ansonsten laufen Patienten Gefahr, eine Organentnahme auszuschließen, wenn sie eine intensivmedizinische Behandlung nicht zulassen.

Ohne Spenderorgan kann es schnell kritisch werden

Die Zeit drängt. 12.000 schwerkranke Menschen in Deutschland warten derzeit auf ein Spenderorgan. Nur rund 5000 Organe kann die DSO organisieren. Darunter sind die 829 Organspender bis September, die gleich mehrere Organe – insgesamt 2770 – zur Verfügung stellen. Dazu kommen Organe von Lebendspendern und aus dem Fond von Eurotransplant, einem Zusammenschluss von sieben europäischen Ländern, die sich Organe bei Bedarf gegenseitig zur Verfügung stellen. Doch rund 7000 Organe fehlen.

Die Konsequenzen sind spürbar. Im Durchschnitt wartet man nach DSO-Angaben fünf bis sechs Jahre auf eine neue Niere. Im besten Fall kann es aber auch nur drei, im schlimmsten Fall aber auch neun Jahre dauern. Körner: „Es wird ausschließlich nach medizinischen Kriterien entschieden. Sehr lange Wartezeiten entstehen aber in der Regel nur bei der Niere, weil man in diesem Fall die Transplantation durch die Dialyse herauszögern kann. Bei anderen Organen muss viel schneller ein Spenderorgan zur Verfügung stehen, ansonsten wird es sehr kritisch.“

Am Donnerstag vor einer Woche ist ein neues Gesetz in Kraft getreten. Es sieht vor, dass die Krankenkassen ihre Mitglieder bis November 2013 anschreiben und über das Thema informieren. Damit einher geht die Frage, ob der Versicherte im Falle des Hirntods Organe spenden würde.

Die Bundesregierung erhofft sich mit der neuen Initiative ein höheres Spendenaufkommen. Bleibt die Bereitschaft niedrig, müssen im nächsten Jahr möglicherweise wieder 1000 Menschen sterben.

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