Gefangen in der Eisfalle

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Dietzenbacher müssen erst mal schaufeln, um den Wagen zu starten.

Region Rhein-Main – Die Gefängnismauer ist weiß und einen halben Meter hoch. Dennoch stellt sie für Autos ein unüberwindbares Hindernis da. Immer mehr Autofahrer sind sauer wegen der Hügel, die die Schneepflüge am Fahrbahnrand auftürmen. Von Christian Reinartz

Auch in Frankfurt Eckenheim (oben) haben Schneepflüge die Autos zugeschoben.

Mit einem Spaten hackt Piotr Kozlowski verzweifelt auf dem Eisberg herum, der sein Auto umgibt. „Die haben mir das einfach zugeschoben“, regt sich der Offenbacher auf. Nur zwei Tage hat er sein Fahrzeug an der Mühlheimer Straße abgestellt. „Jetzt komme ich nicht mehr raus“, sagt Kozlowski. So wie er leiden zur Zeit zahlreiche Autofahrer in der Region unter den Schneemassen, die von den Schneepflügen an die Fahrbahnränder geschoben werden. Dort bleiben sie erst mal liegen. Taut es kurzzeitig oder regnet es, werden aus den lockeren Hügeln steinharte Eisberge, die ein fortkommen unmöglich machen. „Und wenn ich alles frei geräumt habe, schieben die mir das in der nächsten Nacht wieder zu“, regt sich Piotr Kozlowski auf.

Wagen freischaufeln nervt die Autofahrer

Besonders hilflos sind alte Menschen, weiß Maike Walkenbach, Sprecherin des ADAC Hessen-Thüringen: „Wir bekommen derzeit viele Anrufe von Senioren, die ihr Auto nicht mehr selbst vom Schnee befreien können.“ Zwar sei das keine klassische Panne, aber gegen Bezahlung rücken die ADAC-Mitarbeiter auch deswegen aus.

Bei der Stadtverwaltungen Offenbach kann man die Aufregung zwar verstehen. „Aber wir sind verpflichtet zu räumen“, rechtfertigt sich Oliver Gaksch von der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO: „Deswegen wird es auch in Zukunft bei Schneefall zu solchen Unannehmlichkeiten kommen.“

Stadt ist verpflichtet Straßen zu räumen

Schlimm sieht es an der Sprendlinger Landstraße in Offenbach aus. Dort kann ein Autofahrer nicht mal mehr seine Tür öffnen.

Das Problem: Der Schnee muss irgendwo hin. Auf der Fahrbahn kann er jedenfalls nicht bleiben. Früher wurden die Schneemassen einfach in den Main gekippt. „Da ist heute aber nicht mehr möglich wegen der Umweltbestimmungen.“

Auch Michael Würz, Betriebsleiter derStädtischen Betriebe derKreisstadt Dietzenbach hat vor den Schneemengen kapituliert. „Und bleibt keine andere Möglichkeit, als den Schnee an den Rand zu schieben.“

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