Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen sind sauer

Gefährlich: Illegales Parken auf Gehwegen

+
Kaum ein Durchkommen für einen Rollstuhlfahrer oder einen Kinderwagen: Obwohl es verboten ist, parken viele Autofahrer breit auf dem Gehweg und bringen dadurch schwächere Verkehrsteilnehmer in Gefahr.

Region Rhein-Main – Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen sind sauer auf Fahrer, die mit ihren Autos den Gehweg versperren obwohl es verboten ist. Doch offenbar wissen das viele gar nicht. Ein Fachverband fordert dies explit in der Straßenvekehrsordnung zu formulieren. Von Dirk Beutel 

Hier geht`s zum Kommentar:

Gehwege sind keine Parkplätze

Eigentlich sollte es jeder wissen, trotzdem hält sich kaum jemand dran: Parken mit zwei Rädern auf Gehwegen ist ein Dauerbrenner, vor allem in dicht besiedelten Wohnbezirken und in Innenstädten kämpfen Autofahrer um jeden Zentimeter Parkfläche und sei sie noch so abwegig. Eine Strafe wird billigend in Kauf genommen. Das Kuriose: Viele Fahrer, die erwischt werden, fühlen sich zu Unrecht bestraft. Dabei darf laut Straßenverkehrsordnung auf Gehwegen nicht geparkt werden, außer es ist mit einem Verkehrsschild geregelt. „Viele haben das entweder verdrängt oder einfach vergessen. Auf alle Fälle wird nicht nachgedacht und keine Rücksicht auf andere genommen“, sagt Rainer Michaelis, Leiter der Abteilung Straßenverkehrssicherheit beim Straßenverkehrsamt der Stadt Frankfurt. Dort sind vor allem das Nordend und Sachsenhausen mit seiner Kneipenkultur klassische Bereiche, in denen wild geparkt wird. „Die Sorglosigkeit hat diesbezüglich überall in den Kommunen zugenommen. Hauptsache das Auto ist irgendwie abgestellt“, sagt Michaelis.

Verwarnungsgeld von 35 Euro droht

Lesen Sie auch:

Friedberger Landstraße: Parkende Autos werden gerammt

Frankfurt: parken wird teurer

Hier parken sie günstig in der Frankfurter City

Das Problem kennt man auch in Oberursel gut: „Auf allen Gehwegen muss grundsätzlich mit einer Verfolgung der Ordnungswidrigkeit gerechnet werden“, sagt Nina Kuhn, Sprecherin der Stadt Oberursel: „Leider halten sich trotz Fahrschulbesuch nicht alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln.“ Und da liegt offenbar das Problem. Nirgendwo steht in der Straßenverkehrs-Ordnung explizit ein Satz, dass das Parken auf Gehwegen nicht erlaubt ist. Aber Paragraf 12 (4) schreibt vor: „Zum Parken ist der rechte Seitenstreifen, dazu gehören auch entlang der Fahrbahn angelegte Parkstreifen, zu benutzen“. Demnach regelt die Straßenverkehrsordnung illegales Gehwegparken indirekt. Wer erwischt wird, dem droht ein Verwarnungsgeld zwischen zehn und 35 Euro.

Auch in Hofheim wird kontrolliert. „Steht ein Wagen aber direkt auf der Kante und behindert niemanden auf dem Gehweg, wird das toleriert“, sagt Stadtsprecherin Iris Bernardelli. Blockiert ein Auto den Gehweg, kann es sogar abgeschleppt werden.

Wenige Ausnahmen werden toleriert

In Offenbach hingegen gibt es einige Straßen, in denen aufgrund der Bauart das vorgeschriebene Parken am jeweiligen rechten Fahrbahnrand dazu führen würde, das die benötigte Breite zur Fahrbahnmitte fehlt. „Deshalb werden Fahrzeuge teilweise mit zwei Reifen auf der Fahrbahn und zwei Reifen auf dem Gehweg abgestellt. Da die Verkehrsteilnehmer in diesen Bereichen in der Regel sehr sensibel damit umgehen, kommt es selten zu Behinderungen oder Beschwerden. In diesen wenigen Fällen wird das Parken mit zwei Reifen auf dem Gehweg dann toleriert“, sagt Pascal Becker, Sachgebietsleiter der Stadtpolizei Offenbach.

„Die meisten Autofahrer sind sich nicht im Klaren darüber, dass wenn sie den Gehweg blockieren eine Gefahr für Fußgänger, Mütter mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer entsteht, weil diese auf die Fahrbahn ausweichen müssen“, sagt Stefan Lieb, Sprecher des Fachverbandes Fuss, der sich für die Belange der Fußgänger einsetzt. „Wenn dann mal jemand erwischt wird, wird gleich von Abzocke gesprochen, obwohl man im Unrecht ist.“ Deshalb lautet eine der Forderungen des Verbandes, nicht nur höhere Verwarngelder, sondern auch dass das Gehwegparkverbot explizit in der Straßenverkehrsordnung formuliert wird. Lieb: „Mit einer klaren Anweisung hätten Falschparker dann auch keine Ausrede mehr.“

Frankfurt`s City-Parhäuser im Test

Frankfurts City-Parkhäuser im Test

Kommentare