Friedhofsverwaltungen gegen dreiste Langfinger machtlos

Grabschmuck-Diebe aus Geldnot?

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Nur um ein paar Euro zu sparen, vergreifen sich dreiste Langfinger am Grabschmuck anderer. Die Friedhofsverwaltungen sind machtlos.

Region Rhein-Main - Dass viele Menschen knapp bei Kasse sind, merkt man auch auf den Friedhöfen der Region. Denn dort werden immer wieder Grablichter und Gestecke gemopst. Von Christian Reinartz und Dirk Beutel

Rentnerin Elfriede S. schaut sauer drein, als sie auf dem Frankfurter Hauptfriedhof vor dem Grab ihres verstorbenen Mannes steht. Drei besonders hochwertige Dauerbrenner aus Glas hatte sie vor zwei Wochen auf den Sockel des Grabsteines gestellt. „Jetzt sind sie weg“, sagt S.: „Die muss jemand geklaut haben.“ Erst im Herbst ist ihr schonmal dasselbe mit einem teuren Gesteck  passiert. Die Seniorin ist überzeugt, dass die Sachen absichtlich geklaut wurden, um Geld zu sparen. „Diese Lichter gibt es hier doch häufiger“, sagt sie. „Aber das nächste Mal markiere ich sie, und suche dann solange die Gräber ab, bis ich den Übeltäter habe.“

Keine Möglichkeit, zu kontrollieren

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Schon vor Monaten hatte es auf einigen Friedhöfen eine Diebstahlwelle gegeben. Damals waren es allerdings Metalldiebe, die gezielt Messinglampen und andere Metallgegenstände mitnahmen. Der aktuelle Fall ist anders. Elfriede S: „Hier wollen die Leute nur ein paar Euro sparen und sind sich da für einen Diebstahl von einem Grab nicht zu schade.“ Ihrer Meinung nach haben solche Leute nicht mal den Funken eines Gewissens.
Der für die Frankfurter Friedhöfe zuständige Abteilungsleiter im Grünflächenamt, Thomas Linne, kennt ähnliche Fälle. „Das kommt immer mal wieder vor“, sagt er. „Dann beschweren sich die Leute bei uns, aber wir können natürlich nicht viel machen.“ Eine besondere Häufung kann er zurzeit aber nicht feststellen. Auch auf dem Neuen Friedhof in Offenbach kommt dieser Grabschmuck-Klau vor, wie Friedhofsleiterin Gabriele Schreiber, weiß. „Aber wir können da nichts machen“, sagt die Friedhofschefin. „Wir können ja nicht jeden kontrollieren, der mit einem Gesteck in der Hand über den Friedhof läuft.“ Auch Thomas Linne sieht darin das größte Problem. „Es könnte die Leute sogar verschrecken, wenn man sie auf dem Weg zum Grab überprüfen würde.“

Anzeigen verlaufen meist im Sand

In Dieburg kennt man das Problem ebenfalls, wie Wolfgang Dörr vom Fachdienst Öffentliche Einrichtungen berichtet: „Das kommt schonmal vor. Es wurden auch schon Anzeigen bei der Polizei gemacht, die aber alle im Sand verlaufen sind.“ Von derlei Diebstählen hat man in Groß-Umstadt dagegen noch nichts gehört. „Uns ist das Problem nicht bekannt“, sagt Stadt-Sprecher Reiner Michaelis. Ebenso in Seligenstadt oder Langen. Ein anderes Bild dagegen beim Zweckverband für das Friedhofs- und Bestattungswesen  in Neu-Isenburg und Dreieich: „Das kommt immer wieder mal vor. Gerade im Sommer werden oft Blumengestecke mitgenommen“, sagt eine Mitarbeiterin: „Wir raten dann immer eine Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt zu machen.“

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