Fremde Stimmen aus dem Jenseits

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Ein Team: Die Bambi-Verleihung 2002 besuchten beide gemeinsam.

Rodgau – Der King of Pop ist tot, aber er singt noch weiter. Knapp eineinhalb Jahre nach Michael Jacksons Ableben ist jetzt mit „Michael“ ein Album mit bisher unveröffentlichten Liedern erschienen. Der Rodgauer Dieter Wiesner, ehemaliger Freund und Manager, zweifelt jedoch an deren Echtheit. Von Mareike Palmy

Über zehn Jahre war er der engste Vertraute des Megastars, lebte auf der Neverland Ranch in Kalifornien und bekam Einblicke ins Familienleben der Jacksons, die niemand hatte. Dieter Wiesner kennt den Superstar privat, wie ihn kaum keiner kennt. Er weiß auch: „Michael hätte diese neue Platte nie erlaubt und die Songs freigegeben. Er wollte kein Comeback, wollte nicht mehr mit 50 Jahren den Moonwalk tanzen.“

Das ist nicht Michaels Stimme

Gute Freunde: Der Rodgauer Dieter Wiesner und Michael Jackson im Wohnzimmer des Megastars auf der Neverland Ranch im Santa Ynez Valley in Kalifornien.

Zwar klingen die zwölf Lieder wie typische Michael-Jackson-Nummern, dass man auf der Platte tatsächlich in jedem Lied Michaels Stimme hört, glaubt der 60-Jährige aber nicht: „Auf der Platte sind definitiv Songs drauf, die nicht Michael singt“, ist sich Wiesner sicher, „seine Stimme ist schließlich einzigartig und unverkennbar.“

Der respektlose Umgang mit dem Vermächtnis des weltberühmten Sängers macht Wiesner wütend. „Ich kann das Album gar nicht anhören, ich habe selbst viel Gesprochenes auf Band von Michael, aber das ist nicht seine Stimme“, so Jacksons ehemaliger Vertrauter.

Auch die Jackson-Kinder erheben Vorwürfe und bestreiten die Echtheit der zwölf Lieder. Die Plattenfirma Sony BMG dementierte umgehend die Gerüchte.

Jeder will etwas vom Kuchen abhaben

Für Wiesner setzt das Album den Trend fort, mit dem Nachlass von Michael Jacksons noch möglichst viel Geld zu scheffeln. Er ist sich sicher, dass Michael dieses Album nie erlaubt hätte, denn: „Songs sind erst fertig, wenn Michael sagt, sie sind fertig. Er war sehr eigen, was seine Vocals anging, er war Perfektionist. Er hat seine Texte und seine Musik geschützt“, so Wiesner. Dass ihn jetzt alle Welt so hören kann, den Mächten des Musikmarkts ausgeliefert, sei der Preis, den jeder tote Popstar zu zahlen habe.

Mit seinemTod am 25. Juni 2009 verlor die Welt nicht nur den König der Popmusik, Dieter Wiesner verlor auch einen guten Freund. Zurzeit schreibt er ein Buch über ihn. Nicht um sich einzureihen in die Geldmaschinerie Jackson, jedoch um mit dem Kapitel endlich abzuschließen.

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