Freiwilligen-Dienst? Nein, danke!

Region Rhein-Main – Jetzt sollen Hartz-IV-Empfänger die Zivi-Lücke füllen und Bundesfreiwilligendienst ableisten. Nach einem Plan der CDU sollen sie etwa in Altenheimen eingesetzt werden. Während die Aufregung bei den Hartz-IV-Empfängern groß ist, sind Arbeitgeber von dem Vorstoß  nicht begeistert. Von Christian Reinartz

Marion Dlask (52): „Wir werden damit ausgenutzt. Wir sollen nur ran, weil niemand will. Außerdem gibt‘s für die schwere Arbeit zu wenig Geld.“

Die CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann und Peter Tauber wollen nach der Sommerpause Hartz-IV-Empfänger zum Bundesfreiwilligendienst heranziehen, haben dafür ein entsprechendes Gutachten beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages in Auftrag gegeben.

Vincenzo Gangemi (32): „Ich halte von dem Freiwilligen-Dienst nichts. Das sind Arbeiten, die von Fachpersonal erledigt werden müssen.“

Entlohnung soll es auch geben. Geplant ist, den Freibetrag für Zuverdiener von 60 auf 175 Euro heraufzusetzen. Der Grund für den Vorstoß: Bundesweit gibt es für die 35.000 Freiwilligendienst-Stellen noch viel zu wenig Bewerber. Ob die Hartz-IV-Empfänger, etwa im Falle langjähriger Arbeitslosigkeit, auch zum Dienst gezwungen werden können, wird zur Zeit noch heiß diskutiert. In der Region kocht die Stimmung aber auch schon so. „Die wollen uns doch nur benutzen, um ihre Fehlplanung auszubügeln“, sagt Renate Gregor. Die 59-Jährige bezieht Hartz IV und kann sich nicht vorstellen, einen Zivi-Job zu machen: „Abgesehen davon, dass es für viele zu anstrengend wäre, kann man nicht von jedem verlangen, etwa in der Altenpflege zu arbeiten.“

Manuela Pfitzer (41): „Die Faulen, die alle Jobs ablehnen, sollen ruhig den Dienst machen. Alle anderen sollte man nicht zu sowas zwingen.“

Größter Kritikpunkt: Es gibt zu wenig Geld für die anstrengende Arbeit. Wer einen vollen Job mache, sollte am Ende nicht nur 115 Euro mehr behalten dürfen. Andere wiederum können sich einen Zwangsdienst grundsätzlich vorstellen: „Aber dann bitte nur für die, die sich in die soziale Hängematte legen“, sagt Manuela Pfitzer.

Arbeitgeber sind kritisch

Carmen Sparr (39): „Für so einen Job muss man motiviert sein, schließlich geht‘s um Menschen. Wer soll das für ein paar Euro mehr im Monat sein?“

Doch nicht nur bei den Hartz-IV-Empfängern stößt der CDU-Vorschlag auf Ablehnung. Auch die Arbeitgeber der Region sehen den Plan kritisch. Jürgen Richter, Chef des Kreisverbandes Frankfurt der Arbeiterwohlfahrt mit Pflegeheimen in Oberursel und Mörfelden-Walldorf, gibt zu bedenken: „Ich würde ohne Probleme Hartz-IV-Empfänger einstellen. Aber die sollten auch motiviert sein und sich nicht nur zum Dienst schleppen, weil sie müssen.“ Zudem befürchtet Richter, dass das Ansehen des Bundesfreiwilligendienstes leiden könnte: „Wenn jeder erst einmal erklären muss, dass er zwar ein Bufdi ist, aber kein Hartz-IV-Empfänger, ist das abschreckend.“

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