Frauenliebe mit Kind: "Wir fühlen uns vom Gericht diskriminiert"

Als sich die Offenbacherinnen Silke und Kathleen 2002 kennen lernen, steht fest: Es ist Liebe und sie wollen zusammen ein Kind. Ihre Liebe bekommt im März 2006 im Offenbacher Büsing Palais das amtliche Siegel. Der "Verpartnerung" (amtsdeutsch) folgt die Geburt von Marie im darauf folgenden Juni.

"Wir sind nach Holland gefahren. Dort haben wir das Angebot eines anonymen Samenspenders in Anspruch genommen. Das ist in Holland normal", erklärt Silke Helbrecht. Sie sollte das Kind austragen, weil sie die Ältere ist. Die 36-Jährige bringt schließlich Marie im Offenbacher Ketteler-Krankenhaus auf die Welt. Kathleen durchtrennt die Nabelschnur. Und jetzt kommt das Problem: Kathleen muss das Kind adoptieren, um offiziell auch Elternteil zu sein!br /br /Ihre Recherchen beim Jugendamt ergeben: Ein Jahr warten, dann soll Kathleen adoptieren. Silke Helbrecht: "Auch wenn wir verpartnert sind, wird Kathleen in Deutschland nicht automatisch zum Elternteil. Marie könnte ja aus einem One-Night-Stand stammen."Das Adoptions-Drama beginnt im Juni 2007. Für die beiden liebevollen Eltern wird es der Horror. Bei einem Notar legt Kathleen die benötigten Papiere vor: Unter anderem Geburtsurkunde, Gehaltsabrechnung, ärztliches Attest und Führungszeugnis.br /br /Für das Vormundschaftsgericht in Offenbach nicht ausreichend: Das hausärztlichen Attest müsse durch ein amtsärztliches ausgetauscht werden, die Mutter, also Silke, müsse notariell erklären, dass sie der Adoption zustimme und zudem eine eidesstattliche Erklärung abgeben, welche Anstrengungen sie unternommen hat, den Vater ausfindig zu machen. Der Notar der Helbrechts hält diese Forderungen größtenteils für rechtswidrig und teilt dies dem Gericht mit. Es passiert nichts. Kathleen Helbrecht: "Für uns war das belastend." Ihre Frau Silke, die selbst Juristin ist, ergänzt: "Ich hatte Angst, dass wenn mir etwas passiert, Kathleen unser Kind nicht bekommt."Monatelang meldet sich das Gericht nicht. Dann wirdâ??s dem Helbrecht-Notar zu bunt. Er legt Beschwerde ein. Und dann wirdâ??s albern.Das hausärztliche Attest gilt doch, es liege aber nicht der Akte bei und soll noch mal gefaxt werden. Nach zwei Wochen teilt das Gericht mit, dass Fax sei unleserlich. Weiter wird moniert, dass Silke Helbrecht nicht ausdrücklich als Lebenspartnerin in die Adoption eingewilligt hat. "Unverschämt wurde es, als der Richter verfügte, uns bei einem persönlichen Termin genauestens zu überprüfen", erzählt Kathleen Helbrecht.br /br /Ende Januar istâ??s vollbracht: Die positive Stellungnahme des Jugendamtes liegt vor, jetzt muss der Richter nur noch den Adoptionsbeschluss erlassen. Wieder passiert nichts. Die Helbrechts reichen eine Untätigkeitsbeschwerde durch ihren Notar beim Amtsgericht ein.Anfang Mai geht ihnen die Adoptionsurkunde endlich zu. Sie sei schlichtweg drei Monate auf dem Geschäftszimmer liegen gelassen worden, bestätigt der stellvertretende Gerichts-Pressesprecher, Manfred Beck. Er könne nachvollziehen, dass sich die Helbrechts diskriminiert fühlen, empfinde diese Reaktion letztendlich aber übertrieben. Man müsse berücksichtigen, dass das Vormundschaftsgericht Unterbringungen von Minderjährigen bevorzugt behandelt. Solche Fälle hätten eine höhere Brisanz als eine Adoption. Dadurch bleibt ein Fall wie der der Helbrechts mal unbearbeitet liegen. "Wir haben viel zu tun", sagt Beck. Der Richter habe sich aber an Recht und Gesetz gehalten.br /br /Für die Helbrechts bleibt die Gewissheit, dass noch nicht alles vorbei ist. Denn: Sie wollen weitere Kin

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