Frau gesucht, Gangster gefunden

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Rainer Lechtenböhmer ist den Machenschaften der Internet-Gangster auf der Spur.

Dreieich – Sie suchen Liebe, und werden zu Kriminellen gemacht. Ohne es zu wissen. Die Polizei warnt vor einer neuen Masche von Internet-Gaunern. Von Domenico Sciurti

Immer mehr Männer fallen auf Kriminelle aus dem Ausland herein, die sich auf vir-tuellen Kontaktbörsen als Frauen ausgeben. Das berichtet der Leiter des Kommissariats für Computer und Internetkriminalität (ZK 50) Rainer Lechtenböhmer in Dreieich. Das Ziel der Internet-Gangster: Die Bankkonten deutscher Männer.

Die schönen Internet-Bekanntschaften bitten darum, das Geld, das angeblich von der Familie der Frauen geschickt wird, entgegenzunehmen, und über Geldtransferdienstleister dann an sie weiterzuleiten.

Das Geld kommt aber nicht von der Familie, sondern wurde von anderen Internetnutzern durch Phishing gestohlen. Dabei haben sich Kriminelle über Schadprogramme oder durch gefälschte E-Mails Zugang zu persönlichen Daten und somit auf privates Geld verschafft.

Durch den Zwischenstopp auf den Konten unschuldiger deutscher Männer wird das Geld gewaschen und die Ermittlung des eigentlichen Drahtziehers erschwert. Die unwissenden Männer machen sich jedoch zu Mittätern.

Viele Fallen lauern im Netz

Nicht die einzige Gefahr, die im Netz lauert: Onlinekriminalität hat noch mehr Formen. „1850 Delikte mit Internetbezug gab es im Jahre 2009 in der Region Südosthessen“, berichtet Lechtenböhmer. Die Kriminalität im Internet steigt mit der wachsenden Anzahl der Nutzer.

Phishing ist die häufigste Form in Südosthessen. Durchschnittlich werden fünf Mal in der Woche solche Fälle gemeldet. Der Schaden beläuft sich dabei meist auf 2000 bis 6000 Euro. Da die Aufklärung dieser Delikte teilweise sehr schwierig ist, rät die Polizei zu Vorsichtsmaßnahmen beim im Umgang mit dem Internet (siehe blauer Kasten).

Die Polizei rät Internetnutzern, nie ohne Firewall und nie unter der Computer-Einstellung „administrativer Benutzer“ ins Internet zu gehen. Auch ein stets aktualisiertes Anti-Viren-Programm sei äußerst wichtig. Persönliche Daten dürften niemals auf E-Mail-Anfragen herausgegeben werden, und sichere Passwörter müssten genutzt werden. Beratung zur Prävention und zu Maßnahmen, sollte man Opfer von Online-Kriminalität geworden sein, gibt‘s bei der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle telefonisch unter (069) 8098 1230.

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