Frau mit gebrochenem Rücken fordert:  „Gebt mir meinen Parkplatz zurück!“

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Silvia Juanita Weiß ist sauer. Die Stadt hat ihren persönlichen Behindertenparkplatz in einen normalen umgewandelt.

Dietzenbach – Silvia Juanita Weiß hat einen gebrochenen Rücken, sitzt im Rollstuhl. Dennoch hat die Stadt Dietzenbach ihr vergangene Woche den persönlichen Behindertenparkplatz gestrichen und in einen Öffentlichen umgewandelt. Weiß will das nicht hinnehmen und fordert: „Gebt mir meinen Parkplatz zurück!“ Von Christian Reinartz

Acht Jahre lang hat alles problemlos funktioniert. Silvia Juanita Weiß parkte mit ihrem kleinen roten Wagen stets auf dem direkt vor der Haustür eingerichteten Behindertenparkplatz. Der trug die Kennnummer ihres Versehrten-Ausweises trug. Doch damit ist jetzt Schluss, denn die Stadt Dietzenbach ließ vor wenigen Tagen den Weiß‘schen Exklusiv-Stellplatz in einen für alle Behinderten zugänglichen Behindertenparkplatz umwandeln.

Behinderten-Exklusivparkplätze gibt's nicht

Der Grund: Silvia Juanita Weiß hatte ein Knöllchen erhalten, weil ihre Ausweis-nummer nicht mit der auf dem Schild übereingestimmt hatte. „Dabei liegt das nur daran, dass ich einen neuen Behindertenausweis mit einer neuen Nummer ausgestellt bekommen habe“, argumentiert Weiß. Eine Erklärung, die auch den Bediensteten der Dietzenbacher Straßenverkehrsbehörde einleuchtete. „Wir haben das Knöllchen natürlich noch vor Verfahrenseinleitung zurückgenommen“, sagt Markus Hockling, Leiter der örtlichen Straßenverkehrsbehörde. Um zu verhindern, dass Weiß nicht noch mehr Strafzettel erhält, ließ er das Zusatzschild mit der falschen Nummer entfernen. Doch Weiß versteht Hocklings Vorgehen als Affront: „Das war mein Parkplatz. Ich habe doch ein Recht darauf!“

Abwarten wie sich die Situation entwickelt

Beim Bundesministerium für Straßen und Verkehrswesen in Berlin hingegen sieht man die Sache anders. „Behinderte haben grundsätzlich kein Recht auf einen solchen Parkplatz. So steht es in der Straßenverkehrsordnung“, stellt Behördensprecherin Sabine Mehwald klar: „Ob dennoch ein solcher Parkplatz eingerichtet wird, liegt im Ermessensspielraum der Stadt.“

Und die zeigt sich kooperativ. Hockling: „Wir sind da eigentlich immer sehr hilfsbereit.“ Weiß‘ Parkplatz sei aber bis dato der einzige nummerierte in ganze Dietzenbach gewesen. Deshalb will der Chef der Verkehrsbehörde jetzt erstmal austesten, ob das normale Behindertenzeichen nicht auch genügt. „Schließlich wohnen in diesem Bereich keine zwei Schwerbehinderte. Der Parkplatz wird also nur von Frau Weiß benutzt werden.“ Sollte das nicht funktionieren, verspricht er nachzubessern. „Aber jetzt schauen wir uns das erstmal eine Zeit lang an.“

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