Den Frankfurtern schmeckts Würstchen nicht mehr

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Bernd Dreher schmecken die meisten Frankfurter Würstchen nicht mehr.

Frankfurt – Das Frankfurter Würstchen liegt in den letzten Zuckungen. Kaum jemand kauft noch die Königin der Würste. Eine Nachfolgerin erhebt schon Anspruch auf den Thron: Die Rindswurst. Doch damit will sich das Frankfurter Ur-Gewächs Bernd Dreher nicht abfinden. Von Christian Reinartz

Innungs-Obermeister Thomas Reichert aus Höchst ist sicher: „Das eigentliche Frankfurter Würstchen ist die Rindswurst!“

Bernd Dreher schmeckt‘s nicht mehr. Jedes Mal, wenn er ins Würstchen beißt, schüttelt es den Ur-Frankfurter. Das ist für ihn auch der Grund für die fehlende Nachfrage. „Die schmecken alle nicht mehr wie früher“, sagt er: „Das ist doch nur noch Fabrikware.“ Dreher selbst ist ausgesprochener Wurstfan. Seit er denken kann, liebt er die Kombination von zarter Füllung und knackigem Darm. Mindestens einmal pro Woche kamen zuhause im Gallus Frankfurter auf den Tisch. Mittlerweile verzichtet er darauf. „Weil man die Würstchen mit dem typischen Geschmack so gut wie nirgendswo mehr bekommt.“

Bei Friedericke Satvary gibt‘s noch das echte Frankfurter Würstchen.

Der Obermeister der Frankfurter Fleischerinnung, Thomas Reichert, bestätigt: „Traditionell handwerklich hergestellte Frankfurter Würstchen gibt‘s so gut wie gar nicht mehr.“ Der Grund: Von den ehemals 600 Mitgliedsbetrieben der Frankfurter Fleischer in den 60er Jahren sind nur noch 45 übrig geblieben. „Und viele von denen, die überhaupt noch verkaufen, kaufen von Großbetrieben hinzu“, sagt Reichert. „Die einzigen, die noch viele Frankfurter Würstchen essen, sind Japaner und andere Touristen in der Gastronomie.“ Er selbst hat die Frankfurter aus seinem Sortiment im Höchster Ladengeschäft gestrichen. Wegen fehlender Nachfrage. „Die werden vielleicht fünfmal im Jahr verlangt“, sagt der Metzger. „Die eigentlichen Frankfurter Würstchen sind mittlerweile die Rindswürste.“

Reichert räumt ein: Geschmacklich könnten sich die Traditionswürstchen im Lauf der Zeit verändert haben. Oft wird heute nicht mehr richtig über Buchenholz geräuchert, weiß der Oberfleischer. Stattdessen nebeln die Hersteller die Würste mit künstlichem Flüssigrauch ein. „Und das schmeckt man heraus“, sagt Bernd Dreher. Er fühlt sich in seiner Beobachtung bestätigt.

Dennoch gibt es noch Betriebe, die ihre Frankfurter Würstchen auf traditionelle handwerkliche Art herstellen. Gref-Völsings etwa auf der Hanauer Landstraße. Dort steht Geschäftsführerin Friederike Satvary persönlich hinterm Tresen. Sie kennt die Krise in der die Frankfurter sind. „Viele Leute rufen hier an und sind froh, nach langer Suche endlich einen Metzger gefunden zu haben, bei dem es die echten Frankfurter noch gibt. Bei uns ist die Rezeptur seit jeher dieselbe“, verspricht Friederike Satvary. „Aber außer uns, gibt‘s eigentlich keinen mehr, der sie so traditionell herstellt.

Ein Lichtblick für Bernd Dreher. Dennoch fordert er die Frankfurter Metzger auf: „Stellt endlich wieder unsere guten, alten Frankfurter her. Sonst stirbt unser Würstchen bald aus!“

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