Frankfurter Kleingartenanlagen müssen dem Tunnelbau weichen

Lauben müssen dran glauben

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Müll und meterhohes Unkraut macht sich in der Kleingartenanlage breit. Horst Geisel (rechts) und Saverio Lavista können den Anblick nur schwer ertragen.

Frankfurt – Am Montag rücken die Bagger an: Über 30 Gartenlauben in den Kleingartenanlagen des KGV Riederwald und des KGV Enkheimer Wald werden platt gemacht. Sie müssen dem Bau des Riederwaldtunnels weichen. Hunderte Menschen protestieren dagegen und hoffen auf einen Baustopp.   Von Mareike Palmy

Vergammelte Plastikflaschen, kaputte Blumentöpfe, zersplitterte Scheiben. Aus zerschlissenen Tüten quillt der stinkende Müll.

Gräser und Sträucher wuchern bis in die leerstehenden Gartenhütten hinein: Läuft man durch die Kleingartenanlage am Riederwald, blickt man auf Gestrüpp und Müll soweit das Auge reicht. Es ist der Teil der Anlage, der bis Ende Januar dieses Jahres geräumt werden musste.

„Es ist schlimm. Ich bekomme Herzschmerzen, wenn ich hier durchlaufe“, klagt Saverio Lavista. Seit über 23 Jahren kümmerte sich der Obmann in der Kleingartenanlage darum, das alles seine Ordnung hat. Mittlerweile erträgt er den Anblick nur schwer. „Früher waren hier 40 Gärten. Jetzt sind es noch elf. Die übrigen 29 Gärten sind völlig verkommen. Von der Schrebergartenidylle bleibt uns nur noch die Erinnerung“, sagt Lavista.

"Schrebergartenidylle ist vorbei"

Die alte Gartenhütte von Saverio Lavista wird jetzt als Klo benutzt.

Für den Bau des Riederwaldtunnels müssen jetzt rund 19.000 Quadratmeter der Kleingartenanlagen plattgemacht werden. Die Flächen werden benötigt, um den Tunnel in offener Bauweise herzustellen. Seit Jahrzehnten wird über das Bauprojekt diskutiert, denn es zerstört mehr als nur die Gartenlauben.

„Das ist unser Fleckchen Grün. Die Nachricht vom Abriss war für viele Vereinsmitglieder sehr schlimm. Manche haben hier seit über 50 Jahren einen Garten. Wir waren mal eine richtige Gemeinschaft, hatten 320 Mitglieder, jetzt treten immer mehr aus“, sagt Horst Geisel, vom Vorstand der städtischen Kleingärten. Seit 30 Jahren kümmert er sich aktiv um Frankfurts Schrebergärten. Was mit dem KGV Riederwald und dem KGV Enkheimer Wald passiert, macht ihn traurig. „Viele Kleingärtner wollen immer noch nicht wahrhaben, dass der geliebte Rückzugsort bald nur noch Bauschutt sein soll. Aber sie haben ihre Gärten geräumt“, erklärt Geisel. Von der Stadt gab es zwar eine Abfindung, ein Neuanfang ist für viele Kleingärtner jedoch nicht möglich.

Die Gartenhütten werden als Toiletten benutzt

„Seit Monaten wird uns erzählt, die Stadt würde das Gelände bald räumen, aber es passiert nichts. Sogar von einer Nutzungsausfallentschädigung war mal die Rede. Wir sind also gespannt, ob’s jetzt wirklich losgeht. Denn so kann’s nicht bleiben. Hier spaziert jeder rein und raus, wann er will. Vor allem für Obdachlose sind die leerstehenden Hütten ein guter Unterschlupf. Meine alte Gartenhütte wird jetzt als Toilette benutzt. Das ist eklig. Selbst die Anwohner beschweren sich schon über das Chaos“, sagt Lavista.

Während die Kleingärtner sich mit dem Schicksal abgefunden haben und auf den Abriss warten, fordert das Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn (AUA) den Erhalt der Kleingärten und einen Bauaufschub. Mit einer Protestaktion am vergangenen Donnerstag wollte das Bündnis die Räumung der Gärten noch stoppen. „So wird der Frankfurter Osten verkommen. Wir fordern den zeitlichen Erhalt und die Neuverpachtung der Gärten. Damit wollen wir nicht den Bau blockieren, sondern die jahrelange Fehlplanung“, erklärt Sprecher Friedhelm Ardelt-Theck.

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