Frankfurter Junkies bekommen ihr eigenes Altenheim

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Durch immer bessere medizinische Versorgung werden Junkies heute immer älter – und pflegebedürftig. 300 davon soll es schon jetzt in Frankfurt geben. Tendenz steigend.

Frankfurt – Sie sind kaum 50 Jahre alt, ihre Körper sind aber die von Greisen – kaputtgespritzt mit Heroin. Frankfurter Junkies werden dank verbesserter medizinischer Versorgung immer älter. Jetzt will ein Suchthilfeverein ein Altersheim für Junkies aufmachen. Von Christian Reinartz

Doch die Umsetzung des Projekts ist schwierig. „Im Moment suchen wir ein passendes Gebäude“, sagt Dieter Kunz, Geschäftsführer des Vereins Jugendberatung und Jugendhilfe: „Dann kann es losgehen.“ Etwa 25 Pflegeplätze soll die Einrichtung fassen. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Kunz schätzt die Zahl pflegebedürftiger Alt-Junkies in der Mainmetropole auf über 300. „Diese Menschen sind mit der Droge alt geworden und in einem sehr reduzierten körperlichen Zustand“, erklärt er: „Ich habe schon so manche 90-Jährige gesehen, die körperlich besser drauf war als unsere Patienten.“ Kunz geht davon aus, dass die Versorgung drogenabhängiger Senioren in Zukunft ein noch viel größeres Problem werden wird.

Denn schon jetzt zahlen die Kassen nur selten Pflegegeld für alte Junkies. Das stellt den Suchthilfeverein vor ein Dilemma. Denn in dem geplanten Altenheim dürfen nur Süchtige mit mindestens Pflegestufe zwei aufgenommen werden. „In Frankfurt sind uns gar nicht so viele mit dieser Pflegestufe bekannt“, sagt Hans Böhl, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins. „Unsere Klientel entspricht eben nicht dem Kategorienbild der Pflegekassen“, bemängelt Dieter Kunz: „Das ist nämlich nur auf alte Menschen zugeschnitten.“ Das heißt im Klartext: Weil Junkies noch alleine auf Toilette gehen und sich waschen können, gibt‘s kein Geld von der Pflegekasse. „Dabei ist der Pflegebedarf da genauso hoch.“ Denn sie leiden unter Infektionskrankheiten wie Aids und Hepatitis C, müssen ständig überwacht werden. Dazu käme eine regelmäßige Versorgung der krankheitsbedingten Wunden. Zudem müsse auf die Hygiene der Patienten geachtet werden, so Kunz.

Beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen in Hessen will man von einer solchen Problematik nichts wissen. Eine Sprecherin: „Diese Menschen werden nach demselben Schema geprüft, wie andere auch. Wenn es für eine Pflegestufe nicht reicht, aber ein erhöhter Betreuungsaufwand da ist, kann das bezuschusst werden.“

Dabei wurden noch vor 15 Jahren Süchtige mit Pflegestufe null oder eins für Pflegeeinrichtungen zugelassen, heißt es beim Verein. Jetzt ist die Gangart offenbar härter geworden. Böhl: „Und das geht auf Kosten der alten Junkies. Die werden wegen ein paar Vorgaben ihrem Schicksal überlassen.“

Weitere Infos per E-Mail an jj-ev@jj-ev.de.

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