Neue Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Hinweise verdichten sich: Dampfen macht doch krank!

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Genuss statt Reue: Viele Raucher sind der Überzeugung, dass E-Zigaretten ungefährlich seien. Experten sind da anderer Meinung.

Region Rhein-Main - E-Zigaretten sind doch gefährlich! Neue Studien zeigen: Herzinfarkt, Schlaganfall und schlechte Spermien drohen. Dazu kommen krebserregende Stoffe. Eine Biologin: „Wir haben Hinweise, dass die E-Zigaretten nicht so harmlos sind, wie es die E-Raucher-Gemeinde gerne hätte. “

Auf den Straßen im Rhein-Main-Gebiet dampft es wieder häufiger. Nachdem die Zahl der Tabakraucher im Lauf der Jahre immer weiter zurückgegangen ist und die Zigarette immer seltener in der Öffentlichkeit anzutreffen ist, erfährt nun eine andere Form des Rauchens einen regelrechten Hype: Das Elektro-Dampfen. Geht es nach den Fans dieses Genusses, sind die Nebenwirkungen dieses Nikotinkonsums zu vernachlässigen, während Krebs-Experten auch in dieser Form des Rauchens eine ernsthafte Gefahr sehen.

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Nun liefern Kardiologen der California University in Los Angeles den Beweis. Ihrer Studie zufolge kommt es beim regelmäßigen Konsum von E-Zigaretten offenbar zu körperlichen Veränderungen, die das Risiko für Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen können. Dazu die schlimme Nachricht für männliche E-Raucher: Der regelmäßige Konsum von Nikotin und die einhergehenden Potenzstörungen bei Tabakrauchern ließen sich, laut Experten, auch auf die Dampfer übertragen.

Dr. Katrin Schaller ist Biologin am Deutschen Krebsforschungszentrum und Spezialistin für E-Zigaretten. Sie stellt klar: „Im E-Zigaretten-Aerosol sind weniger krebserregenden Stoffe als im Zigarettenrauch. Aber es sind welche enthalten.“ Da es keinen Grenzwert gebe, unterhalb dessen diese Stoffe ungefährlich wären, könne niemand das Risiko wirklich abschätzen. Dazu kommt: Das im E-Dampf enthaltene Propylenglykol kann die Atemwege reizen. Doch das wollen die Elektro-Raucher offenbar nicht wahr haben. Kaum wird das Dampfen kritisch hinterfragt, sehen die E-Zigaretten-Fans rot, schreiben im Netz einen Hasskommentar nach dem anderen.

Schaller kennt diese Anfeindungen der Szene nur zu gut. „Besonders engagiert sind meist diejenigen, die Raucher waren und auf die E-Zigarette umgestiegen sind. Diese Leute sind wirklich glücklich und identifizieren sich damit“, erklärt Schaller. „Wenn wir dann kommen und ihnen erklären, dass da auch Gefahren drin lauern, ist es so, als wenn man einem Kind sein Spielzeug wegnehmen will. Da wird mittlerweile eine regelrechtes Feindbild aufgebaut.“ Dabei würden sich Schaller und ihre Kollegen einen sachlichere Diskussion auf Basis der Datenlage wünschen. „Die hören uns aber einfach nicht zu“ Stattdessen würden immer wieder Beweisführungen angetreten, die wissenschaftlich nicht fundiert seien.

Kiffen, Koksen und Saufen bei den Stars

Dac Sprengel vom Verband des E-Zigarettenhandels sieht die Sache naturgemäß anders. „Die E-Zigarette wird viel schlimmer dargestellt, als sie wirklich ist.“ Keiner behaupte ja, dass das Dampfen, nicht schädlich sei. „Aber es ist viel weniger schädlich, als es eine herkömmliche Zigarette ist. Das muss man betonen“, argumentiert Sprengel. Seiner Ansicht nach hätten die Warnungen vor E-Zigaretten dazu geführt, dass rund 80 Prozent der Menschen wirklich glauben, dass E-Zigaretten genauso schädlich wie die Tabakzigarette oder sogar gefährlicher seien. „Das geht aber an der Realität vorbei.“

Dr. Katrin Schaller warnt dennoch: „Mann muss klar sagen: Wir wissen einfach nicht, was passiert, wenn man diese Substanzmischungen zweihundert Mal am Tag inhaliert. Es hat ja noch keiner wirklich getestet, welche Folgen nach jahrelangem Konsum eintreten. Die neuen Studienergebnisse wecken da Bedenken.“

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So berichtete der EXTRA TIPP schon im Juni 2015:

Region Rhein-Main – Die E-Zigarette hat ihren Siegeszug angetreten. Doch offenbar ist sie nicht so ungefährlich, wie die Industrie behauptet. Die Uni Frankfurt nimmt die neue Art des Rauchens nun sogar in ihren aktuellen Drogenbericht auf.

Internist Dr. Siegmund Drexler geht noch weiter: „Die E-Zigarette ist das Methadon der Raucher.“

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Glaubt man der Industrie, ist das Rauchen ja gar kein Rauchen, sondern eher ein Dampfen. Die E-Zigarette hat längst ihren Siegeszug angetreten. Nie liefen mehr Jugendliche mit den länglichen Verdampfern herum. Die Zahl der E-Raucher steigt ständig. Nicht zuletzt deshalb, weil die Industrie die E-Zigarette als ungefährliche Alternative zur Zigarette etablieren will. Und das auch fast schon geschafft hat. „Die Leute sind viel zu gutgläubig“, sagt Dr. Siegmund Drexler. Der Internist und Kardiologe ist auch Drogenbeauftragter der Hessischen Ärztekammer. Er stellt klar: „Die E-Zigarette verhält sich zur herkömmlichen Zigarette wie Methadon zu Heroin.“ Wer auf die neue Methode des Rauchens umschwenke, ersetze nur eine Sucht gegen eine andere.

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 "E-Zigarette dampf ab!"

Und dass die E-Zigarette unschädlich ist, bezweifeln mittlerweile zahlreiche Mediziner. „Wir haben Hinweise darauf, dass die inhalierten Chemikalien die Lunge schädigen und zu Gefäßkontraktionen im Gehirn führen können“, sagt Drexler. Trotzdem brächten die Hersteller die E-Zigaretten massenhaft unter die Leute. „Ohne, dass da einer was über die Langzeitfolgen weiß.“

Animiert E-Zigarette junge Menschen mit dem Rauchen anzufangen?

Auch an der Uni Frankfurt nimmt man die drohende Gefahr durch E-Zigaretten offenbar ernst. Bernd Werse vom Centre for Drug Research verrät: „Wir haben wegen der aktuellen Entwicklung zum ersten Mal die E-Zigaretten in unseren Jahresbericht aufgenommen.“ Dieser wird voraussichtlich im Lauf der nächsten Wochen erscheinen. Ob die E-Zigaretten gefährlich seien, wolle er aber nicht bewerten. „Es ist ja auch immer die Frage, ob jemand von der echten Zigarette auf das E-Modell umschwenkt, oder ob die E-Zigarette jüngere Nichtraucher dazu animiert, mit dem Rauchen anzufangen“, sagt Werse.

Davon, dass die E-Zigarette vor allem Jugendliche in die Nikotinabhängigkeit führen kann, ist Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg überzeugt. „Schon jetzt haben 35 Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren bereits die E-Zigarette und E-Shishas probiert.“

Und ihrer Auffassung nach ist die Wirkung auf den Körper gesundheitlich bedenklich: „Mit jedem Zug inhaliert der Konsument ein Chemikaliengemisch aus Propylenglykol und Glyzerin, Aromen und zumeist Nikotin. Das Aerosol einiger untersuchter E-Zigaretten enthält Kanzerogene. Zwar ist die Menge der Kanzerogene gering, doch gibt es für Kanzerogengemische keinen Schwellenwert für Unbedenklichkeit. Daher kann, insbesondere bei hohem Dauerkonsum, eine Krebsgefährdung nicht ausgeschlossen werden.“

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