Dachgeschosse sollen eventuell wieder ausgebaut werden dürfen

Wohnen: Frankfurt verbietet Luxussanierung

+
Sanieren ja, Luxus nein: In sieben Frankfurter Gebieten, dazu gehört auch das Nordend, sollen Luxussanierungen verboten werden.

Frankfurt - Kein Aufzug, nicht größer als 130 Quadratmeter: Die Stadt Frankfurt will mit einer neuen Satzung verhindern, dass Eigentümer bestehende Wohnungen zu Luxus-Appartements aufmotzen. Laut Eigentümern sei die Nachfrage aber da. Von Angelika Pöppel

Lesen Sie auch:

Interview mit OB Feldmann: "Keine Mieterhöhung in nächsten drei Jahren"

Frankfurt verbietet private Ferienwohnungen

Tricks: So werden Frankfurter Mieter rausgeekelt

Die Stadt Frankfurt will statt Luxus-Wohnungen, bezahlbare Mieten. Deshalb sollen nicht länger Wohnungen auf Komfort saniert werden. Die sogenannte Milieuschutzsatzung verbietet Aufzüge, die nur das Penthouse im obersten Stock anfahren, eine Vergrößerung der Fläche auf über 130 Quadratmeter durch das Zusammenlegen zweier Wohnungen und den Ausbau von Dachgeschossen zu Maisonettwohnungen sowie Balkone und Dachterrassen über acht Quadratmeter. „All diese Umbauten überschreiten den üblichen Standard und führen dazu, dass Mieter sich plötzlich die Miete nicht mehr leisten können, und so verdrängt werden“, sagt Mark Gellert vom Stadtplanungsamt. Zusätzlich dürfen Gebäude nicht mehr ohne weiteres abgerissen oder Wohnungen in Büroräume umgewandelt werden.

„Das ist wieder eine Beschränkung unserer Rechte“, sagt Nikolaus Jung, Geschäftsführer des Eigentümerverbands Haus & Grund in Frankfurt. Insgesamt gibt es über 40 Satzungen an die sich Frankfurter Vermieter halten müssen. Viel zu viel in den Augen der Eigentümer. Und mit den Luxussanierungen reagiere man nur auf den Markt: „Die Leute sind bereit hohen Wohnwert zu bezahlen – die Nachfrage nach luxuriösen Wohnungen ist hoch“, sagt Geschäftsführer Nikolaus Jung.

Familien und Singles leben heute auf größerem Fuß

Generell sei die Nachfrage nach großen Wohnungen drastisch gestiegen, bestätigt auch die ABG Holding. „Wir haben deshalb bereits im Gallusviertel und im Riederwald kleinere Wohnungen zusammengelegt “, sagt Geschäftsführer Frank Junker. Es gebe zwar noch immer viele Singles, diese wohnen aber heute in Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen. Je nach Budget. Und auch eine vierköpfige Familie gebe sich heute nicht mehr mit 50 Quadratmetern zufrieden. Aber: Das Interesse an sehr großen Wohnungen über 100 Quadratmetern sei dagegen gering. Deshalb steht die ABG Holding auch hinter der neuen Satzung. „Das trägt dazu bei, dass es kleine und große Wohnungen gibt und somit das Klientel in den Stadtteilen gemischt bleibt“, glaubt Junker.

Stadt will in Zukunft Immobilien kaufen und zu bestimmten Miet-Bedingungen verkaufen

Auch der Mieterschutzbund hält die neue Regelung für sinnvoll. Aber: „Das ist nicht genug. Auch die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen muss verboten werden“, sagt Geschäftsführer Rolf Janßen. Die neue Satzung schafft zudem keinen neuen Wohnraum und löst somit nicht das Hauptproblem in Frankfurt, kritisieren die Eigentümer. Das bestätigt auch das Planungsamt: „Mit der Satzung werden wir auch nicht niedrigere Mieten erreichen, aber wir versuchen die Verdrängung von Einkommensschwächeren abzubremsen“, sagt Gellert. Bereits in den 90er Jahren führte die Stadt die Milieuschutzsatzung in verschiedenen Gründerzeit-Gebieten in Frankfurt ein: Westend, Gallus, Heddernheim, Riederwald, Dornbusch-Siedlung, Anne-Frank-Siedlung und Dichter-Viertel sowie Alt Eschersheim. Gellert gibt aber zu: „Bisher sind die Regelungen nicht so stark angewendet worden.“ Das soll sich ab sofort ändern. Von dem Vorkaufsrecht, dass die Stadt besitzt, will sie in Zukunft ebenfalls Gebrauch machen. „Wir werden zum Verkauf stehende Immobilien kaufen und dem neuen Eigentümer zu bestimmten Bedingungen wieder verkaufen“, erklärt Gellert. Dabei ginge es nicht darum, Immobilien in städtischen Besitz zu nehmen, sondern Rahmenbedingungen für die Sanierung und Vermietung festzulegen. So werde es auch in anderen Großstädten wie München gehandhabt.

Dachgeschosse dürfen nicht ausgebaut werden: Eigentümer und Stadt überarbeiten Stellplatz-Satzung

Weitaus sinnvoller sei die Abschaffung der Stellplatz-Satzung, die es verbietet, Dachgeschosse zu Wohnungen auszubauen, ist sich Jung vom Eigentümerverband sicher. „Mit dem Umbau könnten rund 8000 Wohnungen geschaffen werden“, sagt Jung. Auch die Stadt begrüßt diese Umbauten, wenn dadurch Wohnraum für mehrere Personen entsteht. Aber: Die Parkplätze fehlen! Neuen Wohnungen müssen auch Stellplätze zugewiesen werden. Bei der bedrückenden Parkplatzsituation in den innerstädtischen Vierteln sei das nicht möglich. Außer: Der Vermieter mietet Parkplätze oder kauft ein Grundstück dafür an. „Aber diese Regelung ist in Überarbeitung“, verrät Gellert. Die neue Satzung soll zukünftig in Teilen der Frankfurter Stadtteile östliche Altstadt, Ostend, Nordend, Bornheim, Sachenhausen Nord, Bahnhofsviertel und Westend 1, gelten.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare