Fluglärm-Gegner wehren sich

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Demo bei der Flugsicherung in Langen. Rund 30 Teilnehmer waren dabei.

Taunus – Noch drei Wochen sind es, bis die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen in Betrieb genommen wird. Die Gegner geben sich damit nicht geschlagen. Sie haben eine Online-Petition eingerichtet und in der vergangenen Woche bei der Deutschen Flugsicherung demonstriert. Von Julia Renner

„Man müsste 80 Kilometer vom Flughafen entfernt wohnen, um dem Lärm zu entgehen. Das ist doch schrecklich“, sagt Gabriele Franz aus Kelkheim. Die 57-Jährige hat vor einigen Tagen eine Online-Petition in Gang gebracht. Die Eröffnung der Nordwest-Landebahn will sie damit nicht verhindern, betont sie. „Aber ich möchte einen besseren Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm erreichen.“

Mehr als 600 Unterzeichner sind bisher der Meinung von Franz, die will, dass sich der Hessische Landtag mit dem Thema Fluglärm beschäftigt. Denn, so sagt Gabriele Franz, „in Rhein-Main wird unnötig laut geflogen“. Die Flugzeuge würden „entgegen allen Regeln des Lärmschutzes zu niedrig und zu schnell“ fliegen. In Kelkheim und in Liederbach wurden deshalb am vergangenen Wochenende auch Unterschriften gesammelt.

120.000 Anwohner haben Anspruch auf passiven Schallschutz

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Am vergangenen Samstag gab es noch eine weitere Aktion. Mehr als 30 Fluglärm-Gegner aus dem Taunus, aber auch aus dem Main-Kinzig-Kreis, Offenbach und Frankfurt, haben bei der Deutschen Flugsicherung in Langen (DFS) demonstriert. Dass es nicht mehr Leute waren, die nach Langen kamen, stört Günter Born vom Verein „Wohnen und Umwelt im Taunus“ (WUT) nicht. Denn erst einen Tag vor der Demo seien Initiativen darüber informiert worden. Der Kelkheimer selbst war auch dabei und zeigt sich begeistert von der Idee, direkt bei der DFS zu demonstrieren. Erstmals habe es damit eine Spontan-Demo bei der Flugsicherung gegeben, sagt Born. Und kündigt an: „Das war nicht die letzte Aktion.“

Am Dienstag wurde die Lärmschutzbereichsverordnung vom Kabinett verabschiedet. Wirtschaftsminister Dieter Posch betonte, dass damit „die Voraussetzungen für einen Anspruch auf verbesserten passiven Schallschutz für etwa 120.000 Anwohner geschaffen“ wurden. Denn Fraport muss zahlen, wenn es im Eigenheim zu laut wird. Ab 21. Oktober – dem Tag, an dem die neue Landebahn eröffnet wird – können Anträge beim Regierungspräsidium Darmstadt gestellt werden.

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm ist wenig begeistert von der Verordnung. Es gebe „keinen Hinweis darauf, dass der Lärmschutzbereich vergrößert wurde“, sagt Vizepräsident Dr. Berthold Fuld aus Bad Homburg. Die Verordnung sei eine „Täuschung der Bürger in den Flugschneisen“, denn der Lärm werde kleingerechnet. Um die Menschen wirklich zu schützen, fordert die Vereinigung lärmarme Flugverfahren und ein Nachtflugverbot von 22 bis sechs Uhr.

Die Petition kann jeder unterzeichnen auf www.openpetition.de.

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