Frankfurter Flughafen

Fluglärm-Diskussion in nächster Runde: Neue Studie und neue Flugziele

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Guido Schlüter hat die Wirbelschleppen-Schäden in Flörsheim fotografiert.

Region Rhein-Main – Zerstörte Hausdächer, krankmachender und sogar todbringender Fluglärm, der 90-Minuten-Trip nach Usedom und Offenbacher Klagen – vier Schlaglichter zum Frankfurter Flughafen aus den vergangenen Tagen. Von Silke Gottaut und Norman Körtge

Werben für Flugreisen nach Usedom: Tourismus-Chefin Dörthe Hausmann und Christian Voigt von Air Berlin.

Wirbelschleppe reißt Ziegel vom Hausdach – Niemand mag sich ausmalen, was passiert wäre, wenn am Freitag vor einerWoche gegen 18.15 Uhr Menschen vor dem Haus oder im Hof der Maler-Schütz-Straße 14 in Flörsheim gewesen wären. Die Wirbelschleppe eines landenden Flugzeuges riss mehrere Dutzend Ziegel vom Dach. Bis in die Nacht hinein waren Feuerwehr und Technisches Hilfswerk damit beschäftigt, das Dach zu sichern. „Zwei Fraport-Mitarbeiter waren auch schnell da und haben zugesichert, dass die Reparaturkosten übernommen werden“, berichtet Hauseigentümer Karlheinz Dörrhöfer. Der Vorfall ist kein Einzelfall. Die Stadtverwaltung hat bislang 17 Fälle registriert, in denen die von landenden Flugzeugen ausgelösten Luftverwirbelungen Schäden an Hausdächern angerichtet haben. Vorfälle, die es laut den vorgelegten Untersuchungen zum Flughafenausbau gar nicht geben dürfte.

3400 Tote durch Fluglärm

Studie: 3400 Tote durch Fluglärm – Dass Fluglärm krank macht, ist nichts Neues. Doch wieviele vorzeitige Todesfälle es durch die starke Lärmbelästigung in der Nacht geben wird, war bislang unbekannt. Nach einer am Montag in Neu-Isenburg und Flörsheim vorgestellten Studie von Professor Eberhard Greiser sterben innerhalb von zehn Jahren 3400 Menschen rund um den Frankfurter Flughafen an den Folgen des Fluglärms.

Bilder vom Protest am Frankfurter Flughafen

FOTOS

Hinzu kommen zusätzliche Krankheitskosten von etwa 1,6 Milliarden Euro. Furchterregend sind auch die prognostizierten Krankheitsfälle bei Menschen über 40 Jahren. Über 23.000 weitere Krankheitsfälle wird es geben. Dabei geht es um Herz- und Kreislaufkrankheiten, psychische Erkrankungen, Zuckerkrankheit und Krebserkrankungen. Unter welchen Folgen die Kinder leiden, wird noch untersucht. „Wir haben eine Studie an 29 Grundschulen im Rhein-Main-Gebiet durchgeführt“, sagt Günter Lanz, Geschäftsführer vom Umwelthaus in Frankfurt. „Dabei werden die Wirkungen von Fluglärm auf kognitive Leistungen und Lebensqualität bei Grundschulkindern getestet.“ Das Ergebnis der Studie liegt voraussichtlich Anfang nächsten Jahres vor.

Neues Reiseziel Usedom

Air Berlin fliegt nach Usedom – Usedom ist eine Reise wert. Immerhin lockt die Ostseeinsel Erholungssuchende mit 1906 Sonnenstunden im Jahr und der längsten Strandpromenade Europas, wie Tourismus-Chefin Dörthe Hausmann am Dienstag bei einem Pressegespräch am Frankfurter Flughafen warb. Ab dem 11. Mai ist Usedom dann auch wieder in nur 90 Minuten zu erreichen. Bis zum 12. Oktober wird Air Berlin jeweils samstags um 14.05 Uhr in Frankfurt mit einer Turboprop-Maschine mit 76 Sitzplätzen abheben, berichtet Christian Voigt von Air Berlin. Die Maschine aus Usedom landet um 13.35 Uhr auf Rhein-Main. Preis für Hin- und Rückflug: ab 320 Euro.

Bürger klagen weiter

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Gebündelte Wut im Offenbacher Rathaus – Etwa 150 Bürger sind am Mittwochabend in den Stadtverordnetensaal des Offenbacher Rathauses gekommen, umsich von Bürgermeister Peter Schneider, Rechtsanwälten und Beratern über den neusten Stand bei den eingereichten Klagen informieren zu lassen. Rechtsanwalt Reiner Geulen berichtet, dass bald die Entscheidung ansteht, ob das Bundesverfassungsgericht die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Nordwest-Bahn annimmt. Seine Kollegin Ursula Philipp-Gerlach merkt an, dass unbedingt Terminal drei verhindert werden müsse, damit die zuletzt konstante Zahl der Flugbewegungen nicht ansteigt. Und Offenbachs Flughafen-Experte Dieter Faulenbach da Costa fühlt sich durch die Auswirkungen der neuen Landebahn dahin bestärkt, dass diese „raumunverträglich“ ist. „Die Bahn muss weg“, schallt es vereinzelt aus dem Publikum.

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