Bonames betroffen

Wegen Fluglärms: Schlaflos in Frankfurt

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Uschi Wacker hört zum Einschlafen Musik, damit sie den Fluglärm nicht mehr hören muss.

Frankfurt – Uschi Wacker aus Bonames kann nicht mehr schlafen. Seit die Flugrouten am Frankfurter Flughafen im März geändert wurden und nun auch den Norden der Mainmetropole überqueren, raubt ihr der Lärm die Nachtruhe. „Mein Leben ist nicht mehr dasselbe“, klagt sie. Tausende Menschen im Rhein-Main-Gebiet teilen dieses Leid und sind verärgert. Von Mareike Palmy

Gartenidylle ade: Uschi Wacker und Nachbarin Ursel Ermentraut können den Fluglärm nicht mehr hören.

Ein lautes Donnergrollen erschüttert das Wohnzimmer der Familie Wacker. Die Gläser in der Vitrine klirren. Das Geräusch von durchstartenden Düsen ist zu hören. Mindestens drei Minuten hält es an. „Die fliegen hier im Minutentakt drüber. Bei Ostwind ist es ganz schlimm. Im Garten kann ich schon gar nicht mehr sitzen“, sagt Uschi Wacker.

Rund 1400 Flieger starten und landen täglich am Rhein-Main Flughafen. Seit März liegen die Flugrouten auch über dem Frankfurter Norden. Mit der Eröffnung der neuen Landebahn im Oktober wird die Lärm-Situation in der Region künftig noch verschärft. „Wir wollen das nicht klein reden. Es wird für alle lauter. Das ist nicht zu verhindern. Pro Stunde starten und landen hier zirka 83 Flugzeuge. Diese Zahl wird schrittweise auf 126 gesteigert“, weiß Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen, die festlegt, wo geflogen wird.

Für Uschi Wacker und viele in der Region eine Nachricht mit Folgen: „Der pausenlose Krach raubt mir den Schlaf. Ich höre nachts sogar Heavy Metal Musik, damit ich den Flugzeuglärm übertöne. Tagsüber flüchte ich oft in ruhigere Gebiete. Aber das ist ja keine Lösung“, sagt die 60-Jährige. Auch ihre Nachbarin Gisela Glassner kriegt nachts kein Auge mehr zu: „Ich habe Angst. Bei dem Krach kommen Erinnerungen hoch“, sagt die 82-Jährige, die den Zweiten Weltkrieg hautnah erlebt hat.

Seit Jahren kämpfen Menschen der Region für ruhige Nächte. Verschiedene Methoden der Lärmminderung wurden auch getestet, um die Ohren zu entlasten. Uschi Wacker merkt davon nichts: „Wozu das gut sein soll, kapiert doch keiner. Während es bei einigen ruhiger wird, müssen sich dann andere den Fluglärm anhören“, sagt die Frankfurterin. In Bonames, Berkersheim, Harheim und am Frankfurter Berg wächst derweil der Ärger. Von den Verantwortlichen fühlen sich die Bewohner im Stich gelassen. Klaus Wichert vom Umweltamt kennt die Klagen schon: „Wir haben zurzeit sehr viele Anfragen und Beschwerden aus nördlichen Stadtteilen. Die Leute schenken der Sache neue Beachtung. Da entsteht ganz neue Betroffenheit. Es war nicht erkennbar, dass die Verlagerung der Routen so viel Protest mit sich bringt“, sagt der Leiter des Umweltamtes.

Nur mit Heavy Metal Musik kann Uschi Wacker einschlafen

Bei der DFS sieht man vorerst auch keine andere Lösung: „Die Flugrouten mussten aus Sicherheitsgründen neu ausgerichtet werden. Unbewohntes Gebiet gibt es im Rhein-Main-Gebiet nun mal nicht. Wir ziehen ja auch nicht beliebig Routen durch die Region, um die Leute zu ärgern. Sondern versuchen, so wenig Menschen wie möglich zu belasten“, versichert Ute Otterbein.

Auch bei Fraport sieht man keinen Grund, wegen Uschi Wackers Schlafmangel und dem von tausend Anderen, den Flughafenausbau einzustellen: „Wir erhalten im Durchschnitt 1200 Beschwerden pro Tag. Jede davon wird bearbeitet. Um seine Aufgabe als wichtigstes deutsches und führendes europäisches Drehkreuz für den internationalen Luftverkehr auch langfristig erfüllen zu können, muss der Flughafen weiter ausgebaut werden. Wir leisten dabei aber unseren Beitrag um die Belastung der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet durch Fluglärm so gering wie möglich zu halten“, versichert Fraport Sprecher Thomas Uber.

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