Vorschriften erschweren Ehrenamtlern die Arbeit

Flüchtlingen helfen? In Frankfurt nur mit Genehmigung!

+
Eine Helferin begrüßt ankommende Flüchtlinge am Hauptbahnhof mit einem Apfel und Trinkpäckchen. Viele wollen helfen, doch die Stadt Frankfurt hat ihre Vorschriften.
  • schließen

Region Rhein-Main –Der Flüchtlingsstrom nimmt nicht ab, genauso wie die Hilfsbereitschaft und das Engagement von Organisationen und Privatpersonen. Doch die Strukturen fehlen, um Hilfe und Bedürftige zusammen zu bringen. Von Angelika Pöppel

Lesen Sie auch den Kommentar:
"Menschlichkeit muss siegen"

Hessen rechnet mit 60.000 Asylbewerbern in diesem Jahr. Bevor die Flüchtlinge aber auf die Kommunen verteilt werden, landen sie in Frankfurt. Die Stadt wirbt damit, den Flüchtlingen unbürokratisch zu helfen. Erst am Dienstag ging das neue Projekt „Frankfurt hilft“ online, dass die Hilfe besser organisieren soll. Allerdings nicht die akute Hilfe. Die Ehrenamtler sind frustriert: „Wir wollen helfen, aber man lässt uns nicht!“ Sie stehen vor den Toren der Notunterkünfte in Frankfurt-Kalbach oder im Riederwald. Im Gepäck haben sie Wagenladungen voller neuwertiger Kleidung, Kinderspielzeug und auch Geldspenden mit denen sich viel finanzieren ließe. Doch sie dürfen nicht rein. Genehmigungen und Vorschriften versperren die Hilfe von außen. „Die einfachsten Dinge scheitern an kulturellen oder sprachlichen Hürden. Und wir können helfen und übersetzen, aber werden weggeschickt“, sagt Dounia Guemmour, Gründerin der Hilfsorganisation Kindertränen aus Frankfurt.

Hilfsorganisationen werden weggeschickt

Ehrenamtler, 800 Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Angestellte des Roten Kreuzes und dem THW kümmern sich in den Hallen um die Flüchtlinge. Anpacken wollen viele, doch auch das ist nicht genehmigt: „Es gibt beispielsweise Waschmaschinen in den Notunterkünften, doch die Mitarbeiter haben keine Zeit sie nach Vorschrift zu bedienen. Also waschen die Flüchtlinge ihre Kleidung per Hand. Wir haben angeboten diesen Dienst zu übernehmen, aber auch das wurde nicht gestattet! Das kann doch nicht sein“, sagt Guemmour frustriert.

Die Stadt Frankfurt, die die akute Hilfe in den Notunterkünften koordiniert, scheint überfordert. „Es ist eine völlig neue Situation auf die keiner der Beteiligten vorbereitet war. Da müssen erstmal Strukturen geschaffen werden“, sagt Manuela Skotnik vom Frankfurter Dezernat für Soziales. Schließlich organisiere die Stadt erst seit zwei Wochen die Erstaufnahme. Prinzipiell freue man sich über jede Hilfe, doch die Flüchtlinge müssen auch geschützt werden. „Wir können nicht ungeprüft sämtliche Ehrenamtler reinlassen“, sagt eine Sprecherin im Amt des Oberbürgermeisters in Frankfurt. „Die Hilfen müssen vor Ort von den Mitarbeitern organisiert und geplant werden. Sie selbst geben bekannt, was wo gebraucht wird“, sagt Skotnik und fügt hinzu: „Da bringt es gar nichts, wenn Leute Möbel oder Kuchen vorbei bringen.“

Nicht alle Helfer dürfen in Notunterkünften helfen

Doch Ehrenamtler, wie die gebürtige Frankfurterin Majidi A. sind von der Stadt enttäuscht. „Ich habe bereits vor vier bis fünf Wochen mehrere Mails an verschiedene Stellen geschrieben und bis heute keine Antwort bekommen.“ Dabei rufe die Stadt fast täglich zur Hilfe auf. Sie habe vollstes Verständnis dafür, dass Frankfurt mit der aktuellen Situation überfordert sei. Aber: „Wir bieten uns an und werden weggeschickt, das geht bis zum Platzverweis!“ Erst vor wenigen Wochen konnte sie in der Notunterkunft an der Wächtersbacherstraße als Dolmetscherin einspringen, verteilte Decken und Kleidung. „Doch nach wenigen Stunden wurde ich wieder weggeschickt, weil es gegen die Vorschriften verstieß“, berichtet die Ehrenamtlerin.

„Zur Zeit läuft es noch nicht perfekt“, gibt Skotnik vom Sozialdezernat zu. Doch wie kann die Hilfe von Privatpersonen, Initiativen und Organisationen auch ankommen? „Helfer können sich bei der langfristigen Betreuung der Flüchtlinge einbringen“, heißt es vom Amt des Oberbürgermeisters. Denn es sei gar nicht klar, wie lange die Flüchtlinge überhaupt in Frankfurt bleiben. Erste Anlaufstelle ist deshalb seit dieser Woche „Frankfurt hilft“.

Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

Kommentare