Flüchtlinge leben noch immer im Ghetto-Heim

+
Im Wohnheim in Oberursel sind derzeit 182 Flüchtlinge untergebracht.

Oberursel –  Das Flüchtlingswohnheim An den drei Hasen in Oberursel mache einen schlechten Eindruck auf die vielen tausend Besucher des Hessentags. Mittlerweile sind mehrere Flüchtlings-Familien mit Kindern in Wohnungen untergebracht, doch noch immer leben dort knapp 200 Menschen. Von Julia Renner

Felix Blaser findet viele Kritikpunkte an dem Wohnheim. Der Referent für Gesellschaftliche Verantwortung beim Evangelischen Dekanat Hochtaunus gehört dem „Arbeitskreis Flüchtlinge im Hochtaunus“ an. Schon vor einiger Zeit hatte der Arbeitskreis ein Papier vorgelegt, das die Lebensbedingungen der Flüchtlinge beschreibt. Dazu gehören auch nicht abschließbare Gemeinschaftsduschen.

Generell gebe es zu wenig Platz, die Menschen würden in einer Ghetto-Situation leben, sagt Blaser. „Integration ist so nicht möglich,“ sagt er.

Dass das Heim geschlossen werden soll, ist mittlerweile klar. Passiert ist allerdings nicht viel. Lediglich die Familien, die Kinder haben, sind in Wohnungen in Grävenwiesbach und anderen Städten der Region untergebracht. Doch noch immer wohnen 182 Flüchtlinge aus 18 Nationen – darunter Afghanen, Äthiopier, Iraner, Russen und Inder – in dem Haus in der Karl-Hermann-Flach-Straße, davon 26 mit Aufenthaltsgenehmigung, die restlichen sind lediglich geduldet. Manche von ihnen leben schon seit Jahren dort.

Keine Wohnungen für Flüchtlinge

Der Schlüssel des Problems, so sagt Felix Blaser, sei die Unterbringung dieser Menschen. „Viele sind im Vordertaunus schon vernetzt und haben Angst, in den Hintertaunus ziehen zu müssen.“ Wohnungen für die Flüchtlinge wurden bisher keine gefunden. Die Bürgermeister der Kommunen sind aufgefordert worden, Wohnräume vorzuschlagen, heißt es beim Hochtaunuskreis. Bis jetzt habe es keine Resonanz gegeben. Die 26 Personen mit Aufenthaltserlaubnis hätten Wohnungen angeboten bekommen, diese aber abgelehnt, sagt Kreis-Sprecherin Simone Klamt. Warum, ist nicht klar.

Einen Zeitplan, wann die nächsten Frauen und Männer aus dem Container-Heim in eine richtige Bleibe umziehen können, gibt es nicht. Derzeit führt der Kreis Gespräche mit karitativen und sozialen Einrichtungen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare