Obwohl nur 18 im Kreis beherbergt werden

Bad Homburg: Kein Zimmer frei für Flüchtlinge

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Für Flüchtlinge, wie auf dieser Bildmontage, ist in einem Hotel in der Innenstadt offenbar kein Platz.

Hochtaunuskreis – 427 Flüchtlinge sind derzeit im Hochtaunuskreis untergebracht. Bad Homburg beherbergt davon nur 18. Trotzdem wehrt sich die größte Stadt im Kreis offenbar mit allen möglichen Winkelzügen gegen die vom Kreis geplante Unterbringung von 60 Flüchtlingen im Hotel „Zur Brücke“. Von Christian Reinartz

Kreisbeigeordneter Uwe Kraft ist deswegen sauer: „Alle schreien immer nach Menschlichkeit, aber vor die eigene Haustür sollen die Flüchtlinge nicht.“

Die bloßen Zahlen beweisen, wie ungerecht die Verteilung der Flüchtlinge im Hochtaunuskreis ist. Während Oberursel einen Großteil der 427 dem Kreis zugeordneten Flüchtlinge beherbergt, sind es in Bad Homburg gerade mal 18 Personen. Und das, obwohl die Kurstadt die größte Kommune im Kreis ist. Und die Bad Homburger Kommunalpolitiker wollen offenbar, dass diese Situation auch so bleibt. Dem Kreis hat die Kommunalverwaltung schnell signalisiert, dass das nicht einfach werde, 60 Flüchtlinge in einem Hotel in der Bad Homburger Kernstadt unterzubringen. Wegen Brandschutzmängeln, heißt es.

Das ist Quatsch“, stellt der zuständige Kreisbeigeordnete klar. „Das Hotel ist doch jahrzehntelang bis heute genutzt worden. Und jetzt kommt die Stadt auf einmal und hat erhebliche Brandschutzbedenken.“ Diese könnten außerdem, wenn vorhanden, ohne großen Aufwand beseitigt werden, sagt Kraft.

Bedenken wegen des Denkmalschutzes

Aber die Stadt winkt schon mit dem nächsten Trumpf. Auch die Anzahl der nachzuweisenden Parkplätze soll nicht ausreichend sein. Zudem würden denkmalschutzrechtliche Bedenken gegen einen solche Nutzung sprechen. Dass Flüchtlinge üblicherweise kein Auto besitzen, ist da offenbar nicht so wichtig. Währenddessen werden andere Städte im Kreis unruhig, haben kein Verständnis für den Bad Homburger Sonderweg. Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum drückt es diplomatisch aus: „Wir würden uns freuen, wenn die Nachbarkommune den Kreis bei seinen Bemühungen unterstützen würde.“

Bad Homburgs Stadtsprecher Andreas Möring stellt klar: „Wir unterstützen den Kreis und suchen in Innenstadtnähe Unterkünfte für Flüchtlinge in einer Größe von bis zu zehn Personen.“ Sammelunterkünfte, wie die vom Kreis geplante, unterstütze die Stadt nicht. „Zudem gibt es bisher überhaupt keinen Antrag zur Umnutzung des Hotels.“

Kreisbeigeordneter Uwe Kraft hat jetzt die Faxen dicke. „Wenn sich abzeichnet, dass uns bei der Unterbringung nur Steine in den Weg gelegt werden, dann bleibt uns nicht anderes übrig, als die Flüchtlinge nach Bevölkerungsschlüssel aufzuteilen.“ Dann müsse die Stadt Bad Homburg sehen, wie sie die ihr zugeteilten Flüchtlinge unterbringe. Dass der Kreis dazu alles Recht hätte, bestätigt man im Regierungspräsidium Darmstadt, wo die Flüchtlinge den Kreisen zugeordnet werden. Dort heißt es: „Die Kreise können die Flüchtlinge ebenfalls nach einem Schlüssel an ihre Kommunen verteilen.“ Dagegen würde der Stadt dann wohl auch keine Brandschutzauflage mehr helfen.

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