Flatrate-Puffs tarnen sich als Swinger-Partys

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Dunja hat als Flatrate-Hure in einem Partytreff gearbeitet. Dort werde der Anschein erweckt, es handle sich um Swinger-Partys, dabei seien nur Prostituierte dabei, sagt sie.

Region Rhein-Main – Als vor zwei Jahren in Heidelberg das erste Flatrate-Bordell eröffnete, war das Geschrei in der Öffentlichkeit groß. Mittlerweile ist es still geworden um diese Art der Prostitution. Dabei gibt es in der Region einige Puffs, die unter dem Deckmantel einer Swinger-Party den Flatrate-Verkehr anbieten. Von Christian Reinartz

Ein Jahr lang hat Dunja in einem sogenannten Partytreffpunkt gearbeitet. „Das ist aber das gleiche gewesen wie ein Flatrate-Bordell“, sagt die 31-jährige Hure. Nach Außen hin erwecke es zwar den Eindruck, es handele sich um eine echte Swingerparty. Mit einem normalen Pärchenclub habe das aber nichts zu tun. „Da sind nur professionelle Huren, die vom Veranstalter bezahlt werden“, berichtet sie. „Die Kerle zahlen 80 Euro Eintritt und dürfen im Club mit jeder so oft und so lange sie wollen.“ Für die Huren eine mitunter enorme Belastung. „An einem Tag musste ich über 100 Mal auf die Matte“, erinnert sich Dunja: „Danach bist du kaputt.“

Dennoch scheinen die Jobs in den Flatrate-Puffs unter Prostituierten begehrt zu sein. Dunja erklärt: „Dort kann man gutes Geld verdienen.“ Längst sei es für eigenständige Prostituierte nicht mehr so einfach, genug Freier zu bekommen. „Dort hat man wenigstens die Sicherheit, dass man Abends mit einer bestimmten Summe nach Hause geht.“

Bei der Ermittlungsgruppe des K62 im Frankfurter Polizeipräsidium kennt man die Tricks der Betreiber. Hauptkommisar Markus Steiner: „Die geben der Sache einfach einen anderen Namen und machen weiter.“ Andere häufige Namen für die Flatrate-Partys seien neben „Partytreff“ auch „Gang-Bang-Party“ und „Gruppensex-Party“. Zwar habe er zur Zeit mehrere Veranstalter im Visier, „aber wir wissen natürlich längst nicht von allen.“

Ermittlungen wegen Menschenhandel

Eingreifen können Steiner und seine Mannschaft nicht ohne weiteres. Es gibt nämlich noch kein Gesetz das Flatrate-Bordelle verbietet. Eine entsprechende Vorlage wird zwar beim Bundesfamilienministerium gerade ausgearbeitet. Allerdings rechnet man dort kaum damit, dass das Gesetz schon im nächsten Jahr auf den Weg gebracht wird. Darin sei eine Genehmigungspflicht für alle Bordellbetriebe vorgesehen, so Ministeriumssprecher Hanno Schäfer.

Für Markus Steiner ein Lichtblick. „Dann könnten wir solchen Praktiken gleich den Riegel vorschieben“, sagt er. Darauf warten kann er allerdings nicht. „Meistens finden wir ja Möglichkeiten, die Betriebe zu schließen“, sagt Steiner. Vor allem die Stadt Frankfurt sei es, die alle Register ziehe, um den Betrieb solcher Clubs zu untersagen. „Oft arbeiten dort zwangsprostituierte Frauen aus Rumänien oder Bulgarien“, verrät Steiner: „Dann können wir unter Umständen wegen Menschenhandel ermitteln.

Markus Steiner und sein Team hoffen nun auf Hinweise. Auch Freier könnten sich sorglos an ihn wenden unter Telefon (069) 75500 oder über

www.polizei.hessen.de/ppffm.

  

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