Osteuropäische Banden machen sich am Flughafen breit

Die Flaschensammler-Mafia

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Ein Flaschensammler.

Frankfurt – Zwischen 0,8 und 0,25 Cent pro Stück: Das ist der Anreiz für viele Menschen, tagtäglich die Abfalleimer der Stadt zu durchwühlen. Vor allem am Frankfurter Flughafen läuft das Geschäft mit den Pfandflaschen gut. Doch mittlerweile machen sich dort ganze Sammler-Clans breit. Von Mareike Palmy

Urlauber mit vollen Koffern und Geschäftsleute im feinen Anzug hetzen durch die Terminals. Und mittendrin: Die Flaschensammler. In Scharen sind sie auf den Beinen. Täglich auf der Jagd nach den Flaschen und dem Pfand. Vor allem am Flughafen lohnt sich das Geschäft. Im Schnitt macht dort jeder Sammler rund 100 Euro am Tag. Innerhalb von fünf Minuten wird dort jeder Mülleimer von zwei bis drei Leuten durchsucht. Mit Rucksäcken und Tüten hasten sie durch die Terminals. Ganze Banden haben den Markt längst unter sich aufgeteilt. Arbeiten darf aber nur, wer einen Anteil an die Bosse zahlt.

Die Polizei kennt das Problem: „Da zeichnen sich auch mittlerweile Strukturen ab. Etwa zwölf bis 15 Leute sammeln da für einen einzigen. Bulgarisch-rumänische Banden werden in Lieferwagen angekarrt und dann strömen sie in die Terminals und sammeln“, sagt Polizeisprecher Alexander Kießling.

Urlauber mit vollen Koffern und Geschäftsleute im feinen Anzug hetzen durch die Terminals. Und mittendrin: Die Flaschensammler.

Zwar ist das Sammeln von Pfandflaschen kein Straftatbestand, doch mittlerweile kam es zwischen den osteuropäischen Clans auch schon zu blutigen Schlägereien. Sogar Fluggäste wurden aggressiv angeschnorrt und angepöbelt.

Der Flughafen-Betreiber Fraport will natürlich in den Terminalhallen keine Flaschensammler, die zwischen all den Geschäftsreisenden und Touristen in Mülleimern kramen: „Wir können das nicht akzeptieren, schließlich möchten wir die Aufenthaltsqualität unserer Besucher sichern. Außerdem ist es kein schönes Bild, wenn jemand im Müll rumwühlt. Der Müll ist sowieso Eigentum des Flughafens“, so ein Fraport-Sprecher.

Um der Situation Herr zu werden, machte die Betreibergesellschaft deshalb jetzt von ihrem Hausrecht gebrauch: „Fluggäste haben sich belästigt gefühlt, sogar Trolleys wurden geklaut um die zwei Euro Pfand zu kassieren. Also haben wir nun gegen 35 der Sammler ein Hausverbot ausgesprochen. Wer keine Flugabsichten vorweisen kann, muss gehen, denn Flaschensammeln verstößt gegen die Flughafenbenutzungsordnung“, so der Fraport-Sprecher.

Bereits im Frühjahr hatte die Bundespolizei am Flughafen Kontrollen durchgeführt. Auch jetzt, heißt es seitens der Polizei, werden die Flaschensammler regelmäßig überprüft. „Wir haben da ein Auge drauf“, versichert Kießling. In anderen Flughäfen ist man dagegen weniger tolerant. In München zum Beispiel ist Flaschensammeln streng verboten.

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