Immer dreister

 Fieser Trick: Vom Tier-Therapeuten beklaut

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Amie Seeber und Julchen vor der Schublade, in der das Geld gelegen hat.

Frankfurt – Die Maschen der Trickdiebe werden immer mieser. Jetzt hat sich einer als Tiertherapeut ausgegeben. Doch statt Hündin Julchen die Hüfte zu richten, hat er sich mit dem Geld von Besitzerin Amie Seeber aus dem Staub gemacht. Von Christian Reinartz

Das Betrugs-Drama nimmt seinen Lauf, als die 85-jährige Amie Seeber aus Frankfurt bei ihrem morgendlichen Gang zum Bäcker angesprochen wird. Ein Mann mitte fünfzig, fragt, wie es Seebers Hund geht. „Aber der war doch zu Hause“, erinnert sich die Rentnerin. Der Mann tischt Seeber auf, dass er hier in der Nähe wohne. Seine Frau habe ihm von Seeber und ihrem humpelnden Julchen erzählt. „Der sagte, sie würde uns immer aus dem Fenster beobachten.“ Der Mann stellt sich daraufhin als Tier-Therapeut vor, sagt, er will dem kranken Hund helfen. Kostenlos.

Diagnose durch Foto anschauen

Doch Julchen ist für ein paar Tage bei Seebers Tochter. Das stört den vermeintlichen Therapeuten nicht. „Der hat mir versichert, er könne auch anhand eines Bildes erkennen, was da mit der Hüfte los ist“, sagt Seeber. „Der hat so ehrlich gewirkt. Ich hätte ja auch nie vermutet, dass jemand meine Tierliebe ausnutzt.“

Seeber glaubt dem Mann, nimmt ihn mit in ihre Wohnung, eine Straße weiter. Dort hört sich der Mann Julchens Krankengeschichte an, spricht mit Seeber über ihre Wohnung und bittet um einen Kaffee. „Den hab ich ihm auch gemacht“, sagt Seeber. Danach habe er sich noch die handgemalten Bilder an der Wand angesehen. „Und dann ist er auch schon gegangen.“

Miese Masche

Als Seeber kurze Zeit später die Schublade ihres Sideboards öffnet, trifft sie fast der Schlag. „Der Kerl hat mir 800 Euro geklaut“, sagt sie immer noch ganz fassungslos. „Ich schäme mich so, dass ich mich da hab über den Tisch ziehen lassen.“ Seeber erstattet sofort Anzeige, versucht, den Betrüger zu beschreiben. „Aber in die Verbrecherkartei wollten die mich nicht schauen lassen“, moniert Seeber: „Dabei kann ich mich doch genau erinnern, wie er aussieht.“ Bei der Polizei sind Trickdiebstähle zwar nichts neues. Doch diese Variante toppt offenbar alles. „Das ist schon sehr raffiniert“, sagt eine Trickdieb-Spezialistin des K21 im Polizeipräsidium Südosthessen. Dort steht man mit allen anderen Dienststellen in Kontakt, hält sich gegenseitig auf dem Laufenden über aktuelle Betrugsmaschen. „Aber sowas hatten wir bisher noch nicht.“

Kaum Chance auf Fahndungserfolg

Die Chance, den Täter zu fassen ist gering. „Wir haben in diesem Bereich nur sehr wenige Festnahmen“, sagt Sprecherin Isabell Neumann, vom Polizeipräsidium Frankfurt. „Wenn die Leute uns das anzeigen, sind die schon längst weg.“ Dass es sich bei Seebers Betrug aber um einen Einzelfall handelt, bezweifelt die Spezialistin vom K21. Sie hält Seebers Fall für den möglichen Anfang einer ganze Welle von Betrügereien mit der Tier-Therapeuten-Geschichte: „Die studieren so eine Nummer in der Regel ein und ziehen die solange durch, bis sie nicht mehr funktioniert.“

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