Eine Betroffene packt über die Machenschaften in einem Frankfurter Autohaus aus

  Die fiesen Tricks beim Stellen-Abbau: Wie junge Mütter rausgeekelt werden

Gabriele Wenner

Region Rhein-Main – Offiziell wird frischgebackenen Müttern per Gesetz die Rückkehr an den Arbeitsplatz zugesichert. Doch viele hiesige Arbeitgeber nutzen fiese Tricks, um Mütter aus dem Unternehmen zu ekeln und so Personal abzubauen. Die Mitarbeiterin eines großen Frankfurter Autohauses packt jetzt aus. Von Christian Reinartz

Zwölf Jahre lang hat sich Veronika Staschik sich für ein großes Frankfurter Autohaus krumgelegt, hunderte Überstunden gemacht, ganze Sonderschichten gearbeitet. Dann wurde die junge Frau schwanger. Weil sie während der Elternzeit noch ein zweites Kind bekam, verlängerte sich ihre Auszeit auf vier Jahre. Als die Bad Sodenerin jetzt wieder anfangen wollte zu arbeiten, bekam sie zu spüren, mit welchen Tricks Arbeitgeber kämpfen, um Müttern den Wiedereinstieg in den Beruf schwer zu machen.

„Die haben versucht, mich da an die Wand zu drängen“, sagt Veronika Staschik mit Tränen in den Augen. Das Problem: Ihre beiden Kinder müssen Nachmittags zu einer bestimmten Zeit aus dem Kindergarten abgeholt werden. Doch dieser Zeitpunkt überschneidet sich mit den vom Autohaus vorgegebenen Arbeitszeiten. „Dabei war das zwölf Jahre lang ganz normal, dass man da flexibel war“, sagt Staschik. Sie habe bei einem Gespräch gesagt bekommen, dass sie entweder zu den vorgegebenen Konditionen anfange zu arbeiten, oder kündigen solle.

Doch das ist nur eine von vielen Taktiken, die Arbeitgeber anwenden, um sich ihrer jungen Mütter zu entledigen, weiß Gabriele Wenner, Leiterin des Frauenreferats der Stadt Frankfurt. „Gerne bieten große Firmen den Frauen auch einen Job am anderen Ende der Republik an, weil sie wissen, dass sie nicht umziehen können“, erklärt Wenner, wie die Firmen Personal abbauen. „In Frankfurt haben wir ständig mit solchen Fällen zu tun. Und in Zeiten der Finanzkrise hat sich das noch einmal verstärkt.“

Frauenberaterin Marianne Adler vom Diakonischen Werk sieht die Ursache für diese Entwicklung in der fehlenden Mütter-Lobby: „Für diese Frauen setzt sich doch niemand ein.“ Ihrer Ansicht nach sei es in vielen Fällen offensichtlich, wenn Firmen jungen Müttern das Leben schwer machten. Da die Firmen jedoch meist Lücken im Gesetzestext fänden, bliebe vielen Frauen nichts übrig. „Dabei könnten sie ja an die Öffentlichkeit gehen oder sich an die Oberbürgermeisterin wenden“, rät Adler. „Das sorgt für Druck.“

Auch Veronika Staschik hat gehandelt und sich einen Anwalt genommen. „Damit haben die nie gerechnet“, sagt die junge Mutter. Bei der Verhandlung habe sie dann eine Abfindung und ein gutes Zeugnis zugesprochen bekommen. Trotzdem hat die Firma ihr Ziel erreicht, denn Staschik will nach einem solchen Kampf gar nicht mehr im Autohaus arbeiten. Aber ihre Meinung will sie dem Autohaus trotzdem sagen: „So darf man mit Müttern, deren Kinder später mal den Personalchefs die Rente zahlen, nicht umgehen!“

   So können sich Mütter wehren

Das Frauenreferat der Stadt Frankfurt gibt folgende Tipps für junge Mütter, denen der Wiedereinstieg ins Berufsleben schwer gemacht wird:

– Ersteinmal prüfen, welche Ansprüche überhaupt an den Arbeitgeber bestehen

– Sich bei der Frauen-, Gleichstellungs- oder Chancengleichheitsbeauftragten beraten lassen. Diese gibt es im öffentlichen Dienst und inzwischen auch bei einigen Unternehmen.

– Eventuell den Betriebs- oder Personalrat über den Fall informieren

– Sich juristisch beraten lassen, um im Zweifelsfall den Rechtsweg zu beschreiten.

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